Ronald Hitzler, Angela Behring, Alexandra Göschl, Sylvia Lustig, Alexander Milanés:
Abschlußbericht zum Forschungsprojekt ... bei drei Modellversuchen der bayerischen Sicherheitswacht

Anfang

Einleitung
Recht
Aufbau
Aufgaben
Spielräume
Sicherheitswacht
Bewerbung
Ausbildung
Streifenalltag
Kennzeichnung
Einbindung
Erwartung
Das Projekt
Die SIWAs
Orientierung
Idealtypenbildung
Zusammenfassung
Literaturverzeichnis
Vortragsverzeichnis

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Einstellung zu anderen Akteursgruppen

Die Sicherheitswachtangehörigen werden in der Wahrnehmung ihrer Aufgaben mit unterschiedlichen Akteursgruppen konfrontiert. Zum einen bezieht sich ihre Tätigkeit in hohem Maße auf die örtlichen Polizeidienststellen und zum anderen in Ausübung ihrer Streifentätigkeit auf die Bürger. Gleichzeitig bestehen ‘Konkurrenzunternehmen’ in Gestalt der privaten Sicherheitsdienste, mit denen sich die Sicherheitswachtangehörigen vergleichen respektive verglichen werden, sei es nun von ihren Befugnissen oder auch von ihrer Ausstattung her. Andererseits haben sie mehr ‘ideellen’ Bezug zum StMdI und zu den Medien, die ihre Tätigkeit erst ermöglichen bzw. diese kritisch beobachten.

Medien

Hinsichtlich der Medien äußerten sich die Sicherheitswachtangehörigen nur dann, wenn sie in irgendeiner Form eigene Probleme mit den Medien hatten. Sei es, was häufig beklagt wurde - allerdings nur im inoffiziellen Miteinander in der Regel außerhalb der Interviews -, daß es einen zu großen Medienrummel gegeben hat, der den Sicherheitswachtangehörigen auf die ‘Nerven’ ging. Dies betraf sowohl die zum Teil recht hartnäckigen und häufigen Anrufe der Medienvertreter bei den Sicherheitswachtangehörigen zu Hause als auch die Erwartung der Medienvertreter, daß auf Streife eine Menge passieren würde. Die negative Einschätzung der Medien resultiert wohl auch daher, daß die zuständigen Polizeibeamten die Sicherheitswachtangehörigen darauf verpflichtet hatten, ‘das Richtige zu sagen’. Insofern ergeben sich Streßfaktoren: Die Sicherheitswachtangehörigen müssen aufpassen, was sie sagen und wie sie es sagen, weil ansonsten, so eine Vermutung, Verdrehungen des Gesagten in der Presse vorkämen. Daß dies tatsächlich auch in einem Fall geschehen ist, führte während einer Fortbildung zu einer ausführlichen Diskussion, wie sich die Sicherheitswachtangehörigen gegenüber der Presse zu verhalten haben. Über diese generellen Aussagen hinaus finden sich kaum Äußerungen der Sicherheitswachtangehörigen zu den Medien. Dies kann auch daran liegen, daß nicht alle Sicherheitswachtangehörigen in der gleichen Weise von dem Medienrummel erfaßt worden sind, denn auch die Beteiligung an Presseterminen wurde den Sicherheitswachtangehörigen selbst überlassen. Sie konnten sich hierfür freiwillig melden oder, falls sie von einem Polizeibeamten vorgeschlagen wurden, ihr Desinteresse bekunden. Von beiden Varianten machten die Sicherheitswachtangehörigen Gebrauch, ohne dafür kritisiert zu werden.

Die Einstellung der betreffenden Sicherheitswachtangehörigen zur Presse hat sich in kürzester Zeit von ‘positiv/neutral’ hin zu ‘eher negativ’ verändert. Zu Anfang hatten die Medien noch einen Vertrauensvorschuß, auch war es wohl eine neue und interessante Erfahrung, selbst im Mittelpunkt des Interesses zu stehen. Kooperationsbereitschaft mit der Presse war also prinzipiell vorhanden, jedoch hatten alle ein solches Medieninteresse um ihre Person noch nicht erlebt, sahen sie sich selbst ja als ‘normale’ Bürgerinnen und Bürger. Zwar war es zunächst wohl für einige interessant, auf Streife gefilmt und photographiert zu werden, aber mit dem immensen Medieninteresse hatte kaum einer der SIWAs gerechnet, und so war man zumindest belustigt, wenn nicht irritiert, wenn während der ersten Streife eine Traube von Reportern hinter einem herging.

Schon nach kurzer Zeit empfand man den Presserummel als befremdlich, hatte man doch den Eindruck, unter die Lupe genommen zu werden, und zwar nicht nur im Hinblick auf die Motivation und den Streifendienst, sondern auch im Hinblick auf die eigene Persönlichkeit und das private Umfeld. Gerade zu Anfang, als die Angehörigen der Sicherheitswacht ihre ersten ‘Gehversuche’ im Streifendienst machten, empfanden sie das Beobachtet-Werden durch Kameras als höchst unangenehm, verfestigte sich doch der Eindruck, daß manche Reporter ihnen wenig Chancen ließen, in Ruhe zu lernen und Fehler zu machen, sondern stattdessen auf einen ‘Räuberfang’ oder eine ‘Denunziation’ warteten. Viele waren durch die offensive und auch manchmal suggestive Fragestellung der Reporter irritiert oder auch verärgert.

Brachte die Presse die Sicherheitswacht mit Denunziantentum bzw. Blockwartmentalität in Verbindung, dann hielten die SIWAs diese zumeist für unterinformiert. Manch einer konnte nach dem Lesen eines Artikels nicht verstehen, wie die Journalisten solchen "Schmarrn" (S1, Z. 296) schreiben konnten: Die Presse hätte sich entweder besser informieren und besser nachdenken sollen oder aber sie sollte - wenn sie beides nicht tut - besser schweigen. Außerdem waren unter den Angehörigen der Sicherheitswacht naheliegenderweise keine Medienprofis, und Sprechen in der plötzlich interessierten Öffentlichkeit bedurfte der Übung. Manch einer hielt sich bei Pressekonferezen stets im Hintergrund, so daß er möglichen neugierigen Reportern aus dem Weg gehen konnte. Mit der Zeit kristallisierte sich allerdings heraus, wer von der Gruppe am besten bei Pressekonferenzen sprechen und mit der Situation umgehen konnte und dies auch wollte.

Polizei

Die Sicherheitswachtangehörigen sehen ihre PI mit unterschiedlichen Augen, je nachdem in welchen Zusammenhängen welche Polizisten angesprochen werden. Innerhalb der PI lassen sich in Abhängigkeit von der Kontakthäufigkeit generell drei Gruppen unterscheiden: Die erste Gruppe ist die der Ausbilder und Organisatoren der Sicherheitswacht innerhalb der PI. Die zweite Gruppe bilden die Polizeibeamten, die aufgrund ihrer Tätigkeit nur losen Kontakt mit den Sicherheitswachtangehörigen haben - hierzu zählen insbesondere die Dienstgruppenleiter, deren Stellvertreter, der jeweilige Funker der Dienstgruppe sowie die Streifenpolizisten, die den Sicherheitswachtangehörigen im Bedarfsfalle zur Hilfe kommen. Die dritte Gruppe sind all diejenigen PI-Angehörigen, mit denen kein Kontakt besteht, die die Sicherheitswachtangehörigen höchstens vom ‘Sehen’ oder ‘Grüßen’ in der PI kennen.

Zu den Polizisten der ersten Gruppe bestehen relativ einheitliche Aussagen. Diese werden ganz generell für ihr Engagement während der Ausbildung, aber auch später in den Fortbildungen (hier vor allem für die Möglichkeit, Probleme zu besprechen) gelobt, und als sehr freundlich und entgegenkommend eingestuft. Die Dienststellenleiter werden generell positiv gesehen, allerdings aus der Perspektive der Sicherheitswachtangehörigen auch mit einer gewissen Distanz betrachtet. Diese resultiert zum Teil aus deren Position und den damit verbundenen, eher ‘politischen’ Aufgaben, zum Teil aber auch aus seiner Chef-Position, die die Aufgabe mitsich bringt, die Sicherheitswachtangehörigen in die ‘richtigen Bahnen’ zu lenken. Dennoch wird auch der Dienststellenleiter von den Sicherheitswachtangehörigen als Ansprechpartner gesehen, mit dem sie ihre Probleme, die sich auf Streife ergeben haben, besprechen können.

Bezüglich der zweiten Gruppe der Polizisten - diejenigen, mit denen die Sicherheitswachtangehörigen in losem Kontakt stehen - treten hingegen recht unterschiedliche Statements zu Tage. Diese Gruppe erhält besondere Bedeutung für die Sicherheitswachtangehörigen, weil sich zwischen diesen Polizisten und den SIWAs die eigentliche Zusammenarbeit während ihrer Tätigkeit abspielt. Die Beziehungen werden dementsprechend auch sehr unterschiedlich charakterisiert, denn hier treffen nicht nur verschiedene Persönlichkeiten und damit verbundene Sympathien und Antipathien aufeinander, sondern auch die strukturell bedingten Konfliktparteien:

Auf der einen Seite die einfachen Polizisten, für die die Sicherheitswacht, in welchem konkreten Sinn auch immer, faktisch eine Mehrbelastung bedeutet, und auf der anderen Seite die Sicherheitswachtangehörigen mit ihrem Anspruch, mit ihrer Tätigkeit akzeptiert zu werden. Vielleicht gerade aus diesem Grund zeigen sich bei den Sicherheitswachtangehörigen weniger Mischformen als klare Wertungen. Diese lassen sich immer in Gegensätzen zuordnen wie ‘die Streifenpolizisten sind generell nett, freundlich, hilfsbereit, grüßen’ bzw. ‘sie sind zwar freundlich, aber kurz angebunden, erledigen ihren Job, interessieren sich aber sonst nicht’. Diese Statements finden sich in diesen Gegensätzen auch bezüglich der Dienstgruppen. Gerade bei den Einschätzungen der Dienstgruppenleiter ist besonders zu berücksichtigen, daß diese die Möglichkeit haben, auf die Tätigkeit der Sicherheitswachtangehörigen Einfluß zu nehmen, in dem sie diese im Rahmen von größeren Einsätzen gesondert berücksichtigen können, als Ansprechpartner für die Sicherheitswachtangehörigen während deren Streife fungieren sowie die Formalia vor und nach dem Streifendienst zu bearbeiten/erledigen oder zu prüfen haben. Die Erfahrungen der Sicherheitswachtangehörigen im Zusammenhang mit dieser Zusammenarbeit gewinnen für die Tätigkeit der SIWAs konkrete Bedeutung, was im einzelnen in Kapitel 6 dargestellt wird.

Zur dritten Gruppe der Polizisten - alle anderen PI-Angehörigen - bestehen nur lose bis gar keine Kontakte. Dies drückt sich auch in den Interviews aus, wo diese Personengruppe von den Sicherheitswachtangehörigen entweder überhaupt nicht genannt wird oder wenn, dann in pauschalen Bemerkungen, wie ‘die kennt man nicht’ oder ‘man sieht sich, teilweise grüßt man sich’. Allerdings bestehen auch hier Ausnahmen, die auf andere Faktoren zurückgeführt werden müssen, etwa private Kontakte zu den PI-Angehörigen aus den unterschiedlichsten Gründen.

Ingesamt war die Einstellung zur Polizei also von Respekt geprägt. Man akzeptierte sie im allgemeinen als ‘Sicherheitsexperten’ und Vorgesetzte und als Ansprechpartner bei Problemen. Man äußerte sich aber auch kritisch zu den zahlreichen Regelungen, die einen einschränken und die einzuhalten sind, obwohl man selbst von ihrer Sinnhaftigkeit nicht überzeugt ist.

Die SIWAs bedauerten beispielsweise, daß manchen dringenden Bedürfnissen und Anliegen (z.B. einem Selbstverteidungskurs) nicht stattgegeben wurde, wenngleich solche Situationen von manchem als ‘Vertröstung’ erlebt wurden, und man sich dadurch nicht den Idealismus nehmen ließ. Nach Beginn des Streifendienstes waren manche SIWAs etwas verärgert darüber, daß sie von den zuständigen Polizisten nicht auf mögliche negative Reaktionen von Bürgern vorbereitet worden waren. Man hatte ab und an den Eindruck, die Beamten hätten ein allzu beschönigendes Bild von der zu erwartenden Bürgerreaktion vermittelt mit dem Ziel, sie alle während der Ausbildung ’bei der Stange’ zu halten: "(...) es ist also immer bemüht worden, daß alles rosarot, die Wolke rumdrum und (.) sie sind schon sehr bemüht, daß keiner verlorengeht." (S2, Z. 337-338).

Trotz dieser manchmal von Verärgerung geprägten Einstellung gegenüber der Polizei wird das Verhältnis von den Angehörigen der Sicherheitswacht insgesamt als gut bezeichnet. Alle Ausbilder wurden dabei als sehr freundlich und zuvorkommend erlebt, man zeigte sich regelrecht begeistert. Viele Angehörige der Sicherheitswacht erkennen das Engagement dieser Polizeibeamten an, die ihre Freizeit geopfert hatten, um sich auf die Ausbildung vorzubereiten und diese durchzuführen. Über die Polizisten, mit denen man bei seinen Streifendiensten zu tun hatte, wurde prinzipiell ebenso positiv gesprochen. Man fand sie sehr nett, freundlich, höflich und zuvorkommend. Gerade der Respekt der Dienstgruppenleiter und der Streifenpolizisten vor der Arbeit der SIWAs und die Kollegialität dieser Beamten wirkte wohl auf eine positive Einstellung zu diesen. Dabei sah mancher Angehöriger der Sicherheitswacht durchaus, daß die Beamten - z.B. die Einsatzleiter - nicht recht wissen, wie sie mit ihnen umgehen sollen. Je besser man sich jedoch mit der Zeit kannte, desto entkrampfter wurde auch das Verhältnis zu den Polizeibeamten gesehen. Die Einstellung diesen gegenüber wurde immer freundschaftlicher. Bei den kurzen Begegnungen vor und nach der Streife scherzte man und duzte sich auch schon.

Exemplarisch für manche angesprochen Aspekte sollen die folgenden Interviewpassagen stehen: S3 nimmt die Differenzierung unter den Polizisten nach Wichtigkeit für die SIWAs und nach Bewertung der Einstellung zu den SIWAs folgendermaßen vor:

B: Das macht uns eigentlich nichts. Also, der Herr P2, wenn dabei ist, das ist für uns keine Aufsicht. Er kommt in Zivil, er ist einfach da. (.) Und man kann halt mit ihm gut reden , muß man sagen also. Oder der Herr P4 oder Herr P5, wenn kommt, das sind für uns keine (.) einerseits schon, man redet sie mit Sie an, weil sie einfach doch, auch für uns Vorgesetzte sind. Aber, ich sag, man kann mit ihnen auskommen, gut, also, ich mein die sind halt nicht so daß sie, das raushängen, daß sie da jetzt unsere Vorgesetzten sind, sondern man kann mit ihnen reden (.) und sie, sie reden auch mit uns.

I: Mhm.

B: Und, was wir halt auch gut finden, wir haben bis jetzt noch keine, negativen Sachen erlebt in der Dienststelle drin. Also, daß da der Dienststellenleiter einmal war, der wo uns nicht riechen kann oder der was [ahmt nach]: ‘Mmm jetzt kommt die Sicherheitswacht.’

I: Mhm.

B: Sondern die haben wirklich (.) auch gesagt ja, wo geht ihr denn hin heute und so. Es gibt schon manche die muffig sind bei uns, die muffig sind.

I: Aber nicht die Dienststellenlei- +äh die Gruppenleiter.+

B: +Nein. Die+ Dienstgruppenleiter, also die da sind, also, die also, ich sage mal, gibt`s schon. Oder ok, halt einfach, man muß auch das sehen, das ist ja wieder zusätzliche Arbeit für die (.) obwohl die Dienstgruppenleiter eigentlich (.) kei- keine Schwierigkeiten haben, ne. +Also die+

S6 (S.21) nimmt in allgemeinerer Form Stellung zum Kontakt zur Polizei:

I: Wie ist denn so der Kontakt zur Polizei hier, im Haus?

B: Och gut, eigentlich. Also ich muß sagen daß, gut ich komm, ich geh, wir sprechen ein paar Worte.

I: Mhm.

B: Ich seh zu, was ich immer sag, ‘ich meld mich’, daß da alles klar ist, das ist für mich auch ein Gefühl der Sicherheit. Und, die sind also wirklich, zu Anfang, sagt der Herr P2. waren sie auch nicht so begeistert, hier intern. Aber da, muß ich sagen, merke ich nichts davon.

Bürger

Bezüglich der Bürger bestehen bei den Sicherheitswachtangehörigen relativ einheitliche Vorstellungen, Meinungen und Erfahrungen. Einerseits wurden sie während ihrer Streifentätigkeit recht häufig von Bürgern angesprochen, die anscheinend einen recht großen Informationsbedarf bezüglich dessen, was die Sicherheitswacht denn nun ist, zeigten. Andererseits äußerten sich die Sicherheitswachtangehörigen auch relativ einheitlich über Problemgruppen, mit denen sie auf Streife, in welcher Weise auch immer, zu tun hatten. Hierbei wurden vor allem Jugendliche und ältere Leute hervorgehoben. Ausnahmslos gelobt wurden, was die Resonanz der Bürger anbelangt, die älteren Leute. Diese würden sich darüber freuen, daß es die Sicherheitswacht gibt, sie fühlten sich sicherer, gingen nachts wieder auf die Straße. Jugendliche sind meistens diejenigen in der Wahrnehmung der Sicherheitswachtangehörigen, die der Sicherheitswacht prinzipiell skeptisch gegenüber stehen, wofür jeweils unterschiedliche Gründe angeführt wurden, etwa ‘die wollen gerne testen, wie die Sicherheitswachtangehörigen reagieren’ oder ‘die sind diejenigen, die Unruhe ‘reinbringen’. Weiterhin wurden besonders die ‘soziale Unterschicht’ bzw. ‘Randgruppen’ (so die Wortwahl der Sicherheitswachtangehörigen) als problematisch eingestuft, seien es nun Alkoholiker, Obdachlose, Arbeitslose oder unangepaßte, tendenziell aus ärmeren Schichten stammende Leute (‘Schläger’), die die Sicherheitswachtangehörigen während ihrer Streifentätigkeit vorwiegend beschäftigten. Es ist auffällig, daß kaum über andere Bürger gesprochen wurde. Diese schienen entweder aus dem Wahrnehmungsraster der Sicherheitswachtangehörigen herauszufallen oder wurden generell als eine die Sicherheitswacht akzeptierende Gruppe charakterisiert. Hier tritt also eine Differenzierung in der Wahrnehmung der SIWAs auf, die zwischen ‘Bürgern’ einerseits und ‘Leuten aus sozialen Randgruppen’ andererseits hinsichtlich der Akzeptanz der Sicherheitswacht unterscheidet. Bürger akzeptieren die Sicherheitswacht tendentiell, Randgruppen und Jugendliche stehen ihr eher skeptisch bis kritisch - laut Auskunft der Sicherheitswachtangehörigen - gegenüber.

Allgemein ist die Haltung gegenüber den Bürgern dadurch gekennzeichnet, daß sie als die Zielgruppe betrachtet werden, für die man sich einsetzt und engagiert. Den - ‘rechtschaffenen’ - Bürgern will man mit dem Streifendienst ein Sicherheitsgefühl vermitteln, sie vor möglichen Gefahren schützen und ihnen ein Freund und Helfer sein - insbesondere jenen Menschen, die als hilfsbedürftig angesehen werden: Frauen, ältere Menschen, Kinder, Kranke und Verletzte. Zudem will man ‘Bürgern mit Scheuklappen’ im allgemeinen ein Vorbild sein.

Zwar verhalten sich die meisten SIWAs offen und beantworten bereitwillig Fragen. Dennoch gehen nur wenige von alleine auf den Bürger zu, um mit ihm in Kontakt zu treten. Dagegen läßt man sich - wird man angesprochen - oft auf eine Unterhaltung ein. Die Einstellung der Angehörigen der Sicherheitswacht zu den Bürgern verändert sich mit deren jeweiligen Reaktionen. So ist man bei Kritikern oder auch bei Personen, die sich über den SIWA lustig machen, skeptischer eingestellt. Von solchen Bürgern ist man enttäuscht, da man sich eben auch für diese einsetzt, was jedoch nach Meinung der SIWAs nicht honoriert wird. Diese Bürger werden zumeist für unterinformiert gehalten, da sie statt der Helferfunktion eine Überwachungsfunktion sehen.

Besonders zu Anfang war die Haltung dem Bürger gegenüber bei einigen Angehörigen der Sicherheitswacht von Unsicherheit gekennzeichnet. Man fühlte sich unwohl dabei, wenn man von den Bürgern neugierig beobachtet wurde. Gerade das Angepöbeltwerden erlebten manche als Spießrutenlauf. Einige würden sich von Bürgern nicht beleidigen lassen, andere hingegen ignorierten Beleidigungen, weil es ihnen Auseinandersetzungen nicht wert war. Die Jugendlichen wurden dabei, wie gesagt, im allgemeinen als die ‘schwierigste’ Bürgergruppe erwähnt. Bei jenen konnten die Angehörigen der Sicherheitswacht am wenigsten mit Wohlwollen rechnen, eher war hier die Wahrscheinlichkeit am größten, diesen mit einer Beanstandung gegenübertreten zu müssen.

Bürger, denen man aufgrund einer Beanstandung gegenübertreten mußte, versuchte man mit Freundlichkeit zu einer Verhaltensänderung zu bewegen. Dabei wollte kaum jemand eine wichtigtuerische oder barsche Haltung diesen Bürgern gegenüber einnehmen, im Gegenteil - eine solche Einstellung schien unter den meisten der Sicherheitswachtangehörigen verpönt zu sein. Stattdessen würde man entweder die Polizei zu Hilfe holen oder - was wahrscheinlicher war - weiteres Handeln unterlassen, da man Ärger vermeiden wollte. Denn bei einer Provokation wäre man der Polizei keine Unterstützung, sondern würde ihnen zusätzliche Arbeit machen.

Bayerisches Staatsministerium des Innern

Hinsichtlich des Innenministeriums lassen sich sowohl in den Interviews als auch aus den zahlreichen Gesprächen einige interessante Bezüge aufzeigen. Grundsätzlich verorten die Sicherheitswachtangehörigen das ‘Politische’ oder die ‘Politik’ im Zusammenhang mit dem StMdI. Dabei gerät ihnen zum Teil recht Unterschiedliches in den Blick. Einige können in diesem Zusammenhang nur etwas mit der Frage der Fortsetzung des Modellversuchs anfangen - was im übrigen eine zeitlang eine recht große Verunsicherung bei den Sicherheitswachtangehörigen erzeugt hat. Andere hingegen argumentieren inhaltlich und zum Teil sehr differenziert, wobei jeweils auch unterschiedliche Bezüge gewählt werden (etwa Einführung der Sicherheitswacht aus wahltaktischen oder aus parteipolitischen Gründen; Suche nach neuen Formen der Kriminalitätsbekämpfung; gesellschaftspolitische oder allgemein verwaltungstechnisch-politische Bezüge). Wieder andere äußern sich hinsichtlich des StMdI im offiziellen Jargon oder verneinen jegliches Wissen über die politischen Zusammenhänge (entweder: ‘woher soll ich das wissen’; oder: ‘ich kann das nicht wissen, weil ich nicht in deren Kopf stecke’). In diesem Zusammenhang ist es interessant, daß bis auf einen Sicherheitswachtangehörigen scheinbar kein weiterer die Möglichkeit in Betracht zieht, daß das StMdI die Sicherheitswacht hätte auch anders konzipieren können. Insofern werden auch keine alternativen Konzepte diskutiert, sondern die Sicherheitswacht wird als vernünftig Gegebenes hingenommen und akzeptiert. Dementsprechend richten sich die Forderungen, auch wenn sie implizit konzeptwidrig sind, generell an die Polizeibeamten, und nicht an das Innenministerium.

Die Landespolitiker und Initiatoren der bayerischen Sicherheitswacht werden im allgemeinen namentlich kaum erwähnt und wenn, dann recht kritisch gewürdigt. Es scheint, daß sich diese Kritiker instrumentalisiert fühlen. Bei Pressekonferenzen hatte manch einer den Eindruck, schmuckes Beiwerk zu sein oder gar Marionetten, die in einer bestimmten Weise zu reden hatten. Ein echtes Interesse der hohen Beamten an der Sicherheitswacht und ihren Angehörigen wurde vermißt. Dabei entstand der Eindruck, daß die Pressekonferenzen einem Theaterspiel gleichkommen, in dem offiziell die Angehörigen der Sicherheitswacht die zentrale Rolle spielen, diese in Wirklichkeit aber nur Zuschauer sein durften, die nach Anweisung insofern ihre Rolle spielen mußten, als daß sie bei jedem dieser offiziellen Anlässe immer wieder ihre Armbinden und ihre Funkgeräte in Empfang nehmen durften. Doch ist die Einstellung gegenüber den Politkern und Polizisten hinsichtlich der ‘Sache’ zumeist von Sympathie und Respekt geprägt. Schließlich sorgte man sich ja gemeinsam um das Gut ‘Sicherheit’. Und so zeigte man sich, wenn man es denn thematisierte, in den grundsätzlichen Zielen einer Meinung.

Private Sicherheitsdienste

Die privaten Sicherheitsdienste tauchen in der Wahrnehmung der Sicherheitswachtangehörigen in zweierlei Hinsicht auf. Zum einen ist es laut Auskunft der SIWAs recht häufig vorgekommen, daß sie während ihrer Streife von Bürgern angesprochen wurden, zu welcher Firma sie denn gehören würden. Dies kam gehäuft in der Anfangsphase des Modellversuchs vor. Daraufhin waren die Sicherheitswachtangehörigen auch gegenüber den Polizisten bestrebt, daß man an ihrer Kennzeichnung Verbesserungen vornimmt (hierzu brachten sie eigene Vorschläge), aus der deutlicher erkennbar wird, daß sie Angehörige der Polizeiinspektion sind. Zum anderen vergleichen die Sicherheitswachtangehörigen ihre Kompetenz- und Ausrüstungausstattung mit denen der privaten Sicherheitsdienste. Hierbei treten recht unterschiedliche Zusammenhänge der jeweiligen Äußerungen auf. Zum Teil werden die Angehörigen der privaten Sicherheitsdienste wegen ihrer besseren Ausstattung (hinsichtlich Uniform, Handschellen, Waffen) ‘beneidet’. Diese Argumentationen treten dann auch häufig im Zusammenhang mit zusätzlichen Aufgaben oder Kompetenzen auf, die den privaten Sicherheitsdiensten zustünden, obwohl ihre Kompetenzen und ihre Tätigkeit letztlich auch auf den jedermann zustehenden Rechten basieren.

Wünscht man sich selber weitergehende Befugnisse, dann wird zumeist moniert, daß die Angehörigen der privaten Sicherheitsdienste wesentlich mehr ‘machen’ dürfen als die Sicherheitswachtangehörigen. Diesen Beurteilungen der privaten Sicherheitsdienste steht auch eine negative Beurteilung derselben aufgrund ähnlicher Argumente gegenüber. Also: keine Uniform, Handschellen, Waffen und keine weiteren Betätigungsfelder für die Sicherheitswachtangehörigen, um die Differenz zwischen sich und den privaten Sicherheitsdienstlern klar aufrechtzuerhalten (in diesem Zusammenhang wird als Abgrenzungskriterium die Gewaltbereitschaft der privaten Sicherheitsdienste oder deren martialisches Auftreten genannt; dies erscheint wichtig, da auch die SIWAs, die die privaten Sicherheitsdienste ‘positiv’ beurteilen, sich von diesen abgrenzen wollen, aber aus anderen Gründen - Sicherheitswachtangehörige als Hoheitsträger). Das Auffällige an den Bezügen zu privaten Sicherheitsdiensten ist, daß sich a) bei weitem nicht alle Sicherheitswachtangehörigen über die privaten Sicherheitsdienste äußern und Vergleiche im oben beschriebenen Sinne anstellen, und daß diese Äußerungen b) nicht von allen Sicherheitswachtangehörigen gleichmäßig geteilt werden, sondern in Abhängigkeit von Motivation und Verhalten zu stehen scheinen.