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7.8 Zusammenfassung

Ein Überblick über die Forschungskonjunkturen zur beruflichen Situation älterer

Arbeitnehmer zeigt die sich wandelnde Perspektive, unter der die

Leistungsfähigkeit Älterer ins Verhältnis zur gesellschaftlich normierten Sichtweise

 von „Alter“ (bzw. „älterem Arbeitnehmer“) und zu den – unhinterfragten –

 Arbeitsanforderungen gesetzt wird. Die zu älteren Arbeitnehmern durchgeführte

 Forschung und darauf aufbauende Umsetzungsprojekte folgten lange Zeit sowohl

den herrschenden gesellschaftlichen Sichtweisen einer Leistungsgesellschaft

als auch den Erfordernissen betriebs- und volkswirtschaftlicher Kalküle sowie

den Bedingungen des Arbeitsmarktes der jeweiligen Epoche. Dies korrespondiert

mit der Praxis, bei hoher Arbeitslosigkeit ältere und vor allem leistungsgeminderte

Beschäftigte als Manövriermasse des Arbeitsmarktes einzusetzen und

Altersgrenzen entsprechend zu verschieben. Nur selten finden sich

vorausschauende oder humanitär orientierte Ansätze, die sowohl auf ältere

 Arbeitnehmer als Gruppe als auch auf präventive, lebens- und

berufsverlaufbezogene Ansätze

ausgerichtet sind. Inzwischen dominiert vor dem Hintergrund der demographischen

Entwicklung und der anstehenden Probleme bei der Finanzierung

der Sozialversicherungssysteme der Blick auf die Integration älterer Arbeitnehmer.

Bereits in den 1930er-Jahren durchgeführte Untersuchungen zum Zusammenhang

von steigendem Lebensalter und nachlassender Leistungsfähigkeit

fundieren das lange Zeit geltende Defizit-Modell des Alters. Das Programm

„Humanisierung des Arbeitslebens“ weitet seit Beginn der 1970er-Jahre die

Perspektive auf die gesamte Erwerbsbiografie und langfristig wirkende Ar-

beitsbelastungen und Beanspruchungsformen aus. Die Forschung zu älteren

Arbeitnehmern entwickelt sich mit dem einsetzenden Frühverrentungstrend

seit Ende der 1970er-Jahre und thematisiert v.a. die Ursachen vorzeitiger

Gesundheits- und Leistungsminderung.

Seit Ende der 1980er-Jahre reagieren die beteiligten Wissenschaften auf

die prognostizierten Rückwirkungen des demographischen Wandels auf das

Arbeitskräftepotenzial und die Bedeutung älterer Arbeitnehmer. Über die Sichtung

der Forschung zu technisch-organisatorischen Veränderungen, zu Qualifizierungs-

und Personalkonzepten und zu Arbeits- und Gesundheitsschutz wurden

Projekte zu diesen Schwerpunkten speziell für ältere Arbeitnehmer initiiert

– auch auf europäischer Ebene zur „Überwindung von Altersbarrieren“. Im

Rahmen des 1996 bis 2000 durchgeführten Forschungsschwerpunkts

 „Demographischer Wandel und Zukunft der Erwerbsarbeit“ sind in Kooperation

 von Technikentwicklung, Ökonomie und Sozialwissenschaften Verbundprojekte

und Modellprojekte – auch im Bereich der Weiterbildung älterer Arbeitnehmer

– durchgeführt worden.

Seit 1999 werden die in Verbundprojekten gewonnenen wissenschaftlichen

Erkenntnisse auf ihre Praktikabilität hin überprüft und exemplarisch umgesetzt.

Diese Umsetzungs- und Transferprojekte sollen sensibilisierend, beratend und

gestaltend Lösungen zur Bewältigung der Folgen des soziodemographischen

Wandels für Erwerbspersonen, Betriebe und Verbände erarbeiten, umsetzen

und verbreiten. Während im betrieblichen Alltag bisher wenig Sensibilisierung

für die Folgen des demografischenWandels registriert wird (vgl. Wahse 1998),

sind also in den beteiligtenWissenschaften und in der Forschungsförderung bereits

seit längerer Zeit die Analyse und Gestaltung der Erwerbssituation älterer

Arbeitnehmer auf die Tagesordnung gesetzt worden. Dabei finden allerdings

ältere Arbeitnehmerinnen kaum Beachtung, da sie in Forschungs- und

 Umsetzungsprojekten – im Vergleich zu ihrer zunehmenden quantitativen

Bedeutung auf dem Arbeitsmarkt – weitgehend unterrepräsentiert sind.

Wird die Entwicklung sozialwissenschaftlich orientierter Forschung zum

Thema „Arbeit in einer alternden Gesellschaft“ in Deutschland seit Ende der

1980er Jahre mit der Entwicklung in anderen europäischen Ländern verglichen,

so lassen sich einige bedeutsame Entwicklungen hervorheben: In Deutschland

findet sich ein vergleichsweise großer Umfang an sozialwissenschaftlichen

 Untersuchungen, vor allem in Verbindung mit arbeitswissenschaftlicher Forschung

– ein Ergebnis systematischer Forschungsförderung durch öffentliche

Geldgeber zum Thema „DemographischerWandel und Zukunft der Erwerbsarbeit“

(z.B. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung). Ein entsprechend

umfangreiche Programmforschung findet sich in der EU nur noch in

Finnland und Großbritannien. Bedeutsam ist die Verbindung von anwendungsorientierter

Forschung in größeren, themen- und gegenstandszentrierten Verbünden

mit einer anschließenden Phase des Transfers der Forschungsergebnisse

an betriebliche und überbetriebliche Akteure, um Lösungsansätze für die

Praxis zu erarbeiten. Im Vergleich dazu zielt die Forschung in anderen europäischen

Ländern stärker auf die Unterstützung und Durchführung öffentlicher sozial-

und beschäftigungspolitischer Programme, die konkrete Maßnahmenbereiche

– z.B. Politik gegen Altersdiskriminierung am Arbeitsplatz, Beschäftigungs-

und Trainingsprogramme für ältere Arbeitnehmer – umfassen.

Eine weitere Entwicklungslinie betrifft den zunehmend breiteren wissenschaftlichen

Austausch zwischen europäischen (v.a. EU-)Ländern seit Beginn

der 1990er Jahre, unterstützt von den nationalen Regierungen und europäischen

Einrichtungen (wie der European Foundation for the Improvment of Living and

Working Conditions, Dublin). Der Forschungsstand in einzelnen Ländern dokumentiert

sich auch in den entsprechenden internationalen Konferenzen zum

Thema. Dieser Austausch sowie eine entsprechende Vernetzung „scheint vor

dem Hintergrund der ähnlichen Problemlagen dringend angezeigt“ (Frerichs/

Maier 2000, S. 249).

 
(c) Informationszentrum
Sozialwissenschaften

letzte Änderung:
21.05.2007

Bearbeitung: 
H. Peter Ohly, Dirk Kratzel