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6.4 Schlussfolgerungen

Der demographische Alterungsprozess in Deutschland ist eine ökonomische

Herausforderung. Die für das künftige Wachstumspotenzial entscheidenden

Faktoren Arbeitskräftebestand, Kapitalstock und Produktivität sind unmittelbar

oder mittelbar von den bevorstehenden demographischen Veränderungen

betroffen. Langfristig dürfte sich das gesamtwirtschaftliche Wachstum aufgrund

der spätestens in zwei Jahrzehnten rapide schrumpfenden Erwerbsbevölkerung

merklich verlangsamen.

Ob durch diese Entwicklung der gesellschaftlicheWohlstand in Gefahr gerät,

wird vor allem davon abhängen, inwieweit der Rückgang des Arbeitskräfteangebots

durch Zuwächse bei der Arbeitsproduktivität kompensiert werden

kann. Sollten Strukturwandel und verringerte Belastbarkeit das Humankapital

älterer Arbeitnehmer sehr stark entwerten, ist nicht grundsätzlich auszuschließen,

dass der Alterungsprozess die künftige Entwicklung der Arbeitsproduktivität

beeinträchtigt. Allerdings spricht einiges dafür, dass dieser negative Produktivitätseffekt

kleiner ist als vielfach angenommen. Erstens ist das Nachlassen

der physischen Leistungsfähigkeit bei geeigneter Arbeitsorganisation während

der normalen Dauer des Erwerbslebens relativ unerheblich und zumindest

teilweise durch Arbeitserfahrung auszugleichen. Zweitens kann der drohende

Produktivitätsrückgang durch Qualifizierung aufgefangen werden. Dies erfordert

sowohl bessere Bildung der ins Erwerbslebenden eintretenden Altersjahrgänge

als auch die verstärkteWeiterbildung älterer Arbeitnehmer. Die Aussichten,

dass es dazu kommt, sind nicht schlecht. Die Verknappung des Arbeitskräftepotenzials

dürfte die Humankapitalrendite verbessern, sodass der Anreiz zur

Qualifikation quer durch alle Altersgruppen steigt. Eine Erfolg versprechende

Qualifizierungsstrategie setzt allerdings eine Neuorientierung des deutschen

Bildungs- und Ausbildungssystems hin zum lebenslangen Lernen voraus.

Die Verknappung der Arbeitskräfte wird die Lohneinkommen künftig vermutlich

schneller steigen lassen als die Kapitaleinkommen. Dieser allgemeine

Anstieg des Lohnniveaus wird zum Problem, wenn er nicht durch die Produktivität

der alternden Belegschaften gedeckt ist. Um negative Folgen für die Beschäftigung

zu vermeiden, scheint eine Aufweichung starrer Lohnstrukturen

erforderlich. Um eine produktivitätsnähere Entlohnung zu erreichen, bedarf es

zum Beispiel einer Abkehr vom Senioritätsprinzip. Die demographische Alterung

dürfte auch deshalb zu einer stärkeren Ausdifferenzierung der Lohnskala

beitragen, weil sich der Wettbewerb um knappe, zeitnah ausgebildete Arbeitskräfte

verschärft. Der steigende Lohndruck bei alternder Erwerbsbevölkerung

hat auch Vorteile, denn er setzt Anreize für vermehrte Innovations- und Investitionstätigkeit.

Grundsätzlich können die Implementierung neuer Technologien und der

verstärkte Einsatz von Kapital die bevorstehende Verknappung des Arbeitskräfteangebots

ausgleichen. Dies erfordert einen stetigen Zustrom privaten Kapitals

durch Ersparnisbildung. Zwar ist der gesamtwirtschaftliche Zusammenhang

zwischen Ersparnis und Alterslast vermutlich relativ schwach, dennoch

könnte sich das Kapitalangebot in Zukunft verknappen, weil die Altersgruppen,

die sich in ihrer Hauptsparphase befinden, derzeit ungewöhnlich stark besetzt

sind.

Zugleich könnte die staatliche Kapitalnachfrage zunehmen. Als Folge der

demographischen Alterung steigen vor allem die weitgehend ungedeckten Ansprüche

auf Renten- und Gesundheitsleistungen drastisch an, während die

staatlichen Einnahmen tendenziell zurückgehen. Ohne grundlegende finanzpolitische

Reformen käme es zu einem drastischen Anstieg der Budgetdefizite.

Diese gefährden die Dynamik der Investitionstätigkeit, weil sie private Ersparnis

absorbieren. Eine Konsolidierung der vor dem Hintergrund der demographischen

Entwicklung langfristig nicht tragfähigen öffentlichen Haushalte ist

aber auch deshalb geboten, um die Umverteilung zwischen den Generationen

auf ein verträgliches Maß zu begrenzen.

 
(c) Informationszentrum
Sozialwissenschaften

letzte Änderung:
21.05.2007

Bearbeitung: 
H. Peter Ohly, Dirk Kratzel