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2.4 Schlussfolgerungen

Bei der Beurteilung der Konsequenzen der beschriebenen Veränderungen des

Arbeitskräftepotenzials muss man sich vor voreiligen Schlussfolgerungen hüten.

Zu oft wurde in der Vergangenheit von der Bevölkerungsentwicklung

leichtfertig auf die künftige Beschäftigungslage geschlossen. Nicht selten wurde

(und wird) behauptet, dass Arbeitsmarktungleichgewichte mit einer kleiner

werdenden Bevölkerungszahl im erwerbsfähigen Alter an Bedeutung verlieren

oder ganz verschwinden.

Eine solche, bereits von Mayer (1987) im Zusammenhang mit den

 Bevölkerungsberichten des Bundesministeriums des Innern

  (1980, 1984) kritisierte „trend-deterministische“ Interpretation des

 Bevölkerungsgeschehens übersieht, dass es zwischen dem verfügbaren

 Arbeitskräfteangebot (bzw. der Bevölkerungsgröße)

und dem Beschäftigungsstand (bzw. der Arbeitslosigkeit) eines

Land keinen zwingenden Zusammenhang gibt. Vielmehr bestehen zwischen

diesen Größen komplexe Wechselbeziehungen. Das letztlich realisierte

 Beschäftigungsergebnis wird vom wirtschaftlichenWachstumsprozess, aber auch

den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen abhängen, die ihrerseits wieder

durch das demographische Geschehen beeinflusst werden. Die Permanenz

der Arbeitslosigkeit in Deutschland ist in erster Linie ein strukturelles Phänomen

und kein Niveauproblem. Ein hoher Beschäftigungsstand und ein hohes

Arbeitskräfteangebot sind kein Widerspruch. Darum darf aus einem 

demographisch bedingt fallenden Arbeitsangebot auch nicht 

auf eine Erhöhung des Beschäftigtenquote geschlossen werden.

Darüber hinaus sind die sich bei bloßer Trendfortschreibung abzeichnenden

Konsequenzen eines schrumpfenden und alternden Erwerbspersonenpotenzials

(wie diejenigen der gesellschaftlichen Alterung insgesamt) keineswegs

unausweichlich. Märkte und Individuen reagieren permanent auf sich verändernde

Rahmenbedingungen. So könnten die Folgen einer demographisch alternden

erwerbsfähigen Bevölkerung für den Arbeitsmarkt durch Anpassungen

der Lohnstruktur oder vermehrte Erwerbsbeteiligung vermindert oder sogar

ganz aufgefangen werden.

Dies alles widerspricht der weit verbreiteten Auffassung, dass demographische

Veränderungen unmittelbar die Stellung der Erwerbsarbeit in der alternden

Gesellschaft determinieren. Trotzdem sind Modellrechnungen zur

 Bevölkerungsentwicklung  alles andere wertlos. Da es sich bei demographischen

 Prozessen um träge Entwicklungen handelt, deren Auswirkungen langfristig

 absehbar sind, verdeutlichen Bevölkerungsprojektionen – selbst wenn

 ihre Vorhersagen nicht exakt eintreffen – Tendenzen, denen frühzeitig g

gegengesteuert werden kann oder muss. Die Veränderungen der 

Rahmenbedingungen, in denen sich die demographische Entwicklung

 vollzieht, erweist sich dabei als wirkliches Querschnittsproblem, das

 die meisten Bereiche wirtschafts-, sozial- und bildungspolitischen 

Handelns erfasst. Die vielfältigen Handlungsnotwendigkeiten,

die sich für die beteiligten Akteure aus der demographischen Entwicklung

ergeben könnten, sind Gegenstand der folgenden Kapitel.

 
(c) Informationszentrum
Sozialwissenschaften

letzte Änderung:
21.05.2007

Bearbeitung: 
H. Peter Ohly, Dirk Kratzel