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3 Skandal- und Korruptionsforschung

[41-L] Alemann, Ulrich von; Kleinfeld, Ralf:

Begriff und Bedeutung der politischen Korruption in der Politikwissenschaft, (polis / Fernuniversität-Gesamthochschule Hagen, Fachbereich Erziehungs-, Sozial- und Geisteswissenschaften, Nr. 17/1990), (Tagung "Abweichendes Verhalten in der Verwaltung", 1989, Bad Herrenalb), Hagen: 1990, 44 S. (Standort: UuStB Köln(38)-910106352; Graue Literatur)

INHALT: Ziel des Berichtes ist es, das Phänomen der politischen Korruption als Forschungsgegenstand der Politikwissenschaft zu thematisieren. Im Mittelpunkt stehen dabei begriffliche Klärungen und Ansatzpunkte für eine analytisch-theoretische Perspektive. In einem ersten Schritt werden hierzu drei grundlegende Konzeptionen vorgestellt: Korruption als Rechtsverletzung im Amt zum Zwecke privater Interessendurchsetzung; K. als Konflikt zwischen privater und öffentlicher Moral und Interessen; K. als tauschförmige Nutzenmaximierung. In einem zweiten Schritt werden diese Bezugspunkte daraufhin erörtert, inwieweit sie für eine Analyse politischer Korruption in pluralistischen Demokratien nutzbar gemacht werden können. In einem letzten Schritt wird der Grundstein für eine politikwissenschaftlich zentrierte Definition politischer Korruption gelegt und Ausblick auf ein mögliches Forschungsprogramm gegeben. "Korruption ist zwar nur ein Aspekt informeller Politik, stellt aber sozusagen den schwärzesten Bereich in der Grauzone von "Schattenpolitik" dar. Die durch eine Reihe von Skandalen geschärfte Aufmerksamkeit gegenüber Korruption seit den achtziger Jahren sollte als Chance begriffen werden, hier stärker auch in der Politikwissenschaft forschend aktiv zu werden. Dem Beitrag ist eine Auswahlbibliographie "Politische Korruption und anverwandte Themengebiete" beigegeben. (SH)

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[42-F] Anheier, Helmut K., Dipl.-Soz. M. Phil. (Bearbeitung):

Korruption als soziales Netzwerk.

INHALT: Anhand eines konkreten Korruptionsfalles soll der internen sozialen Struktur von Korruptionssystemen nachgegangen werden. ZEITRAUM: 1970-1978. GEOGRAPHISCHER RAUM: USA.

METHODE: Es wird versucht, das Netzwerk eines Korruptionsfalles nachzukonstruieren und anschließend mit Hilfe der Blockmodellanalyse auszuwerten.. BENUTZTE UNTERLAGEN: Gerichtsakten und Archivmaterial, Zeitungsmeldungen.. DATENGEWINNUNG: Aktenanalyse (Stichprobe: ca. 50; alle Personen, die in einen bestimmten Korruptionsfall verwickelt waren - Analyse der Gerichtsakten, Protokolle, Zeitungsmeldung; maschinenlesbar: ja). Inhaltsanalyse (Stichprobe: ca. 50; alle Personen, die in einen bestimmten Korruptionsfall verwickelt waren - Analyse der Gerichtsakten, Protokolle, Zeitungsmeldungen; maschinenlesbar: ja). AUSWERTUNG: Netzwerkanalyse (Blockmodelle).

ART: Eigenprojekt BEGINN: 198410 ENDE: 198610 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Wissenschaftler

INSTITUTION: Universität Köln, Erziehungswissenschaftliche Fakultät, Seminar für Sozialwissenschaften Abteilung für Soziologie (Gronewaldstraße 2, D-50931 Köln)

KONTAKT: Anheier, H.K. (0221-4704077)

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[43-L] Beule, Jürgen; Hondrich, Karl Otto:

Skandale als Kristallisationspunkte politischen Streits, in: Ulrich Sarcinelli <Hrsg.>: Demokratische Streitkultur: theoretische Grundpositionen und Handlungsalternativen in Politikfeldern, Opladen: Westdt. Verl. 1990, S. 144-156, ISBN: 3-531-12240-1 (Standort: UuStB Köln(38)-13A3578)

INHALT: Die Verfasser geben zunächst eine Definition des Begriffs "Skandal" und fragen, welche Art von gesellschaftlichen Konflikten und politischen Streitfragen sich in Skandalen kristallisiert. Im folgenden werden Skandale als "Lehrveranstaltungen" verstanden, in denen die "Ausformung von Werten und Normen im allgemeinen und von politischer Sittlichkeit im besonderen vorangetrieben wird". In diesem Sinne sind politische Skandale Korrekturmechanismen, die politisches Machtstreben im Sinne einer politischen Moral korrigieren. Das "Eindringen einer moralisierenden 'conscience collective' in das politische Tagesgeschäft" trägt über verschärfte Sensibilitäten zur Ausformung politischer Kultur bei. Die Verfasser erörtern den "neuen Typus" des Umweltskandals und behandeln die politische Dimension von Umweltskandalen am Beispiel der Hormonskandale. Abschließend wird der "katalytische Effekt" von Skandalen herausgearbeitet: "Skandale stellen den Stoff (Informationen und Emotionen), durch den latente Konflikte reaktionsfreudig werden und zu beschleunigter Verständigung über neue Handlungsregeln führen." (ICE)

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[44-L] Blankenburg, Erhard:

Korruption und Skandal: zwei Seiten derselben Medaille, in: Hans Oswald <Hrsg.>: Macht und Recht: Festschrift für Heinrich Popitz zum 65. Geburtstag, Opladen: 1990, S. 141-154, ISBN: 3-531-12173-1 (Standort: UuStB Köln=38*-11A8757)

INHALT: In diesem Beitrag bearbeitet der Autor das Thema politische Korruption und Skandal in einer demokratietheoretischen Perspektive. Er vertritt die These, daß nicht die Korruption, sondern deren Skandalisierung angewachsen sei und daß dies als Zeichen für ein reifer gewordenes demokratisches Bewußtsein in der Bundesrepublik Deutschland gewertet werden könne. "Der Skandal zeigt mit dem Verhaltensmuster der Verletzung zugleich die Norm auf. Ist er institutionalisiert, kann man ihn zu den 'checks' und 'balances' des demokratischen Spiels rechnen. Insofern ist es denn auch richtig zu sagen, daß die Korruptionsskandale der 1980er Jahre anzeigen, daß die Bundesrepublik Deutschland in den Club der demokratisch regierten Länder aufgenommen ist." (psz)

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[45-L] Dreier, Volker:

Korruption als System, in: Sozialwissenschaftliche Informationen, Jg. 23/1994, H. 4, S. 250-256

INHALT: "Politische Korruption ist eine Kategorie individuellen Verhaltens und Handelns, das wir bereits bei Machiavelli in seinen 'Discorsi' (Gedanken über Politik und Staatsführung) behandelt finden. Seine Analysen und angeführten Merkmale einer korrupten ('ungesunden') Republik können auch zur gegenwärtigen Analyse der politischen Korruption in Italien als Ausgangsgrundlage herangezogen werden. Ergänzt durch moderne politikwissenschaftliche Untersuchungen zeigt sich politische Korruption in Italien durch drei wesentliche Merkmale gekennzeichnet bzw. bedingt. Durch den Politikertypus des 'Geschäftspolitikers', durch makropolitische Randbedingungen wie staatliche Omnipräsenz in der Wirtschaft und zunehmende politische Verwaltung öffentlicher Betriebe, sowie durch die traditionelle Mechanik des Klientelismus. Politische Korruption in Italien ist folglich systemischer Art; sie ist institutionalisiert und konstitutiver Bestandteil des sozio-ökonomischen und sozio-politischen Systems." (Autorenreferat)

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[46-L] Ebbighausen, Rolf:

Die Massierung politischer Skandale: Symptom für Steuerungs- und Legitimationsprobleme staatlicher Politik in der jüngeren Vergangenheit, in: Hans-Dieter Klingemann, Wolfgang Luthardt <Hrsg.>: Wohlfahrtsstaat, Sozialstruktur und Verfassungsanalyse: Jürgen Fijalkowski zum 60. Geburtstag, Opladen: Westdt. Verl. 1993, S. 127-139, ISBN: 3-531-12454-4 (Standort: UuStB Köln(38)-16A8720)

INHALT: Der Autor geht unter Einbezug der Skandalforschung und wissenschaftlicher Positionen zur Steuerungsproblematik in der Staats- und Verwaltungsforschung der Frage nach, in welcher Weise die erkennbare Massierung politischer Skandale mit akuten Steuerungsproblemen staatlicher Politik zusammenhängt. Er geht von der These aus, daß die Massierung politischer Skandale in jüngster Zeit ein Indiz dafür sind, daß der materiale Legitimationsbedarf staatlicher Politik gestiegen ist bei gleichzeitig gewachsenen Schwierigkeiten der Legitimationsbeschaffung. Der innere Zusammenhang von Steuerungs- und Legitimationsproblemen staatlicher Politik erschließt sich erst über die genauere Analyse der derzeitigen ökonomischen und gesellschaftlichen Umbruchsituation. Zum Beleg seiner These führt er stichwortartig folgende Hinweise an: eine stärker sensibilisierte Öffentlichkeit gegenüber Fragen der sozialen Gerechtigkeit, der politischen Moral und weitreichenden Zukunftsfragen nach Umwelt etc. und die gestiegene Bedeutung von Gegenöffentlichkeiten in solchen Fragen; die gewachsenen Schwierigkeiten der Legitimationsbeschaffung der etablierten großen Parteien im Kontext der ökonomischen, sozialen und kulturellen Wandlungsprozesse seit Beginn der siebziger Jahre; eine fortschreitende Ausdifferenzierung des Wählerwillens; Tendenzen einer "Amerikanisierung" der Organisation und Wahlkampfführung der großen Parteien. Abschließend geht der Verfasser auf die theoretische Diskussionslage ein und nimmt Stellung zur Debatte über die "Theorie der langen Wellen" und zu Varianten dieser Theorie nicht-linear kapitalistischer Entwicklungen, die an die gesellschaftsanalytischen Ansätze der sogenannten Regulationsschule anknüpfen. (ICK)

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[47-F] Hartung, Uwe, M.A.; Ehmig, Simone Christine, M.A. (Bearbeitung); Kepplinger, Hans Mathias, Univ.-Prof.Dr. (Leitung):

Akteursrollen und Argumentationsrituale bei der Skandalierung von Mißständen

INHALT: Die Studie soll fünf Fragen beantworten: Wie häufig sind - in einem Zeitraum von ca. fünf Jahren - lokale, regionale und nationale Skandale? In welchem Verhältnis stehen Skandale und nichtskandalierte Mißstände? Wovon hängt der Erfolg bzw. Mißerfolg der Skandalierung ab? Welche Rollenvorstellungen haben die Akteure? Unter welchen Bedingungen bzw. mit welchen Folgen finden Rollenwechsel statt? Welchen Einfluß haben die Rolleninhaber auf Skandalierungen? Die Fragen werden in vier Schritten beantwortet. Mit einer telefonischen Expertenbefragung (Journalisten) werden skandalierte und nichtskandalierte Mißstände ermittelt. In einer anschließenden Befragung aller wichtigen Akteure werden Selbst- und Fremdbild der Beteiligten, mögliche Ursachen der Mißstände und ihrer (Nicht-) Skandalierung sowie Interaktionen zwischen den Beteiligten erfaßt. Mit einer Presseanalyse wird untersucht, wie skandalierte und nichtskandalierte Mißstände dargestellt werden und welchen Einfluß die Verbreitung eines Themas im Mediensystem auf die Darstellung besitzt. Durch das Zusammenspielen aller Daten werden spezifische Unterschiede zwischen skandalierten und nichtskandalierten Mißständen herausgearbeitet. Sie verweisen auf Ursachen dafür, daß aus einem Mißstand ein Skandal wird. ZEITRAUM: 90er Jahre GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland

METHODE: Theoretisch ist zu unterscheiden zwischen Mißstand/ Verfehlung und Skandal. Voraussetzung für einen Skandal ist die öffentliche Anprangerung von Mißständen mit dem Ziel, Empörung hervorzurufen. Wer was wann skandaliert, hängt u.a. von den Interessen der Beteiligten ab. Untersuchungsdesign: Querschnitt. DATENGEWINNUNG: Inhaltsanalyse, standardisiert (Berichterstattung über eine ausgewählte Anzahl von Mißständen, die -erfolgreich und erfolglos- skandaliert wurden; Auswahlverfahren: Vollerhebung aller zugänglichen Beiträge). Qualitatives Interview (Beteiligte an/ Betroffene von Mißständen/ Skandalen -ausgewählte Fälle-). Standardisierte Befragung, telefonisch (Stichprobe: ca. 300; leitende Redakteure -Politik, Wirtschaft, Lokales- aller redaktionellen Einheiten -Tageszeitungen- zur Identifikation von -skandalierten und nicht-skandalierten- Mißständen). Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts.

ART: gefördert BEGINN: 199710 ENDE: 200010 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft

INSTITUTION: Universität Mainz, FB 12 Sozialwissenschaften, Institut für Publizistik (Colonel-Kleinmann-Weg 2, D-55099 Mainz)

KONTAKT: Ehmig, Simone C. (Tel. 06131-392176, e-mail: simone.ehmig@uni-mainz.de)

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[48-L] Hondrich, Karl Otto:

Skandalmärkte und Skandalkultur, in: hrsg. im Auftr. d. Dt., d. Österr. u. d. Schweizer. Ges. f. Soziologie von Max Haller, Hans-Joachim Hoffmann-Nowotny u. Wolfgang Zapf: Kultur und Gesellschaft: Verhandlungen des 24. Deutschen Soziologentags, des 11. Österreichischen Soziologentags und des 8. Kongresses der Schweizerischen Gesellschaft für Soziologie in Zürich 1988, Frankfurt am Main: Campus Verl. 1989, S. 575-585, ISBN: 3-593-34156-5

INHALT: Untersucht wird, warum alle westlichen Gesellschaften von Skandalen heimgesucht werden und welche Unterschiede es in der "Skandalkultur" von Gesellschaften gibt. Antworten auf diese Fragen werden gesucht, indem Skandale im ökonomischen Paradigma von Angebot und Nachfrage und im kultursoziologischen Paradigma normativer Regelungen analysiert werden. Drei Grundelemente des Skandals - moralische Verfehlungen, Enthüllung, Empörung - werden versucht in der Sprache von Angebot und Nachfrage zu begreifen. Gezeigt wird, welche Bedeutung die erfolgreiche, von Marktprozessen und normativ-kulturellen Regelungen gesteuerte Abwicklung von Skandalen für den moralischen Haushalt moderner Gesellschaften besitzt. (GF)

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[49-L] Kaiser, Günther:

"Kriminalität der Mächtigen": Theorie und Wirklichkeit, in: Hans-Heiner Kühne <Hrsg.>: Festschrift für Koichi Miyazawa: dem Wegbereiter des japanisch-deutschen Strafrechtsdiskurses, Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges. 1995, S. 159-175, ISBN: 3-7890-3781-8 (Standort: UB Bonn(5)-95-12368)

INHALT: "Kriminalität der Mächtigen" ist ein herrschaftskritischer Topos. Er meint Straftaten, die zur Stärkung oder Verteidigung überlegener Macht begangen werden. Vornehmlich sind damit statushohe Personen oder Eliten in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft betroffen. Der Mißbrauch der herausragenden Machtstellung läßt sich als das übergreifende Merkmal kennzeichnen. Zwar ist für die Kriminalität der Mächtigen die Formenvielfalt charakteristisch. So heterogene Handlungen wie kollektive Gewalt durch Völkermord oder "ethnische Säuberungen" werden ebenso einbezogen wie Folter und Korruption. Dem vorliegenden Beitrag geht primär nicht darum, die verbreitete Unterschichtkriminalität durch die Kriminalität höherer Schichten zu ergänzen, sondern spezifische Gefahrenherde und Gefährdungen der modernen Gesellschaft zu verdeutlichen. Die Risiken für ebenso intensive wie breite Viktimisierung in diesem Bereich unterstreichen die Bedeutung und Notwendigkeit wissenschaftlicher Reflexion. (ICE)

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[50-L] Käsler, Dirk:

Der politische Skandal: zur symbolischen und dramaturgischen Qualität von Politik, Opladen: Westdt. Verl. 1991, 328 S., ISBN: 3-531-12286-X

INHALT: "Dieses Buch über politische Skandale will den Blick schärfen für die normativen und symbolischen Qualitäten von Politik. Mit Hilfe der Metapher von der 'Politik als Theater' werden ausgewählte politische Skandale als Beispiele für die Tendenzen der immer perfekter inszenierten Dramatisierung und Personalisierung von Politik präsentiert. Auf ein Kapitel, in dem die hier zugrundegelegte Sichtweise von Politik in grundsätzlicher Absicht vorgestellt wird, folgt ein Abschnitt über die Begriffsgeschichte von 'Skandal'. Die anschließenden Skandal-Stücke zeigen auf, wie auf unterschiedlich dekorierten Bühnen, an verschiedenen Orten und zu unterschiedlichsten Zeiten, in diversen Kostümen, Rollen und Inszenierungen bis in unsere Tage Skandale ablaufen - nicht selten zur vergnügten Belustigung des allgemeinen Publikums. Das abschließende Kapitel über dramatisch inszenierte Theater-Skandale stellt die ironische Spiegelung der Theater-Metapher auf das Theater selbst dar." (Autorenreferat)

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[51-L] Kleinfeld, Ralf:

Auswahlbibliographie "Politische Korruption und angrenzende Themengebiete" im deutschsprachigen Schrifttum: (Stand: Juni 1990), in: Begriff und Bedeutung der politischen Korruption in der Politikwissenschaft, Hagen: 1990, S. 20-44 (Standort: UuStB Köln(38)-910106352; Graue Literatur)

INHALT: Die Auswahlbibliographie ist Bestandteil der Arbeit "Begriff und Bedeutung der politischen Korruption in der Politikwissenschaft". Zu folgenden Themen wurde deutschsprachige Literatur verzeichnet: (1) Erklärungssätze aus Politikwissenschaft, Soziologie, (Sozial)psychologie, Verwaltungswissenschaft, Geschichte, Rechtswissenschaft, Ökonomie, Philosophie, Theologie und Kriminologie; (2) Überblicksdarstellungen zur politischen Korruption in der BRD, zu einzelnen politischen Korruptionsaffären, zu verschiedenen Politikbereichen; (3) Politische Skandale; (4) Parlamente, Abgeordnete und Korruption; (5) Parteien und Öffentliche Verwaltungen und Korruption; (6) Korruption in West- und Osteuropa, USA, Kanada, Latein- und Südamerika, Afrika, Asien, im internationalen Bereich; (7) Formen und Folgen von Korruption; (8) Kontrolle als Mittel gegen Korruption; (9) Untersuchungsausschüsse und Korruption; (10) Moral und Korruption; (11) Geld, wirtschaftliche Macht und Korruption; (12) Wirtschaftskriminalität; (13) Organisiertes Verbrechen; (14) verschiedene, das Thema tangierende Quellen. Der Erscheinungszeitraum der unterschiedlichsten Quellenarten reicht von 1927 bis 1990. (SH)

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[52-L] Landfried, Christine:

Parteifinanzen und politische Macht: eine vergleichende Studie zur Bundesrepublik Deutschland, zu Italien und den USA, Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges. 1990, 355 S., ISBN: 3-7890-1787-6 (Standort: UuStB Köln(38)-11A9572)

INHALT: Ziel dieser Untersuchung ist es, "das System der Parteienfinanzierung und seine Wirkungen für die repräsentative Parteiendemokratie in der Bundesrepublik im Vergleich zu Italien und den USA differenziert zu beschreiben und zu verstehen". Die Autorin vertritt die These, daß bestimmte Strukturmerkmale der Parteienfinanzierung zu einer Verselbständigung der politischen Klasse beitragen. Zunächst wird geprüft, ob auf den Ebenen von Gesetzgebung und Rechtsprechung Anhaltspunkte für eine wachsende öffentliche Finanzierung -Etatisierung- und eine Privilegierung von Großspenden -Kapitalisierung- zu erkennen sind. Anschließend wird auf der Ebene der realen Einkommensstruktur der Parteien nach dem Ausmaß an Etatisierung und Kapitalisierung gefragt. Dann werden Interessentenzahlungen als Form der Politikfinanzierung und Korruption als Faktor der Parteienfinanzierung analysiert. Es folgt eine Untersuchung der Ausgabenstruktur der Parteien. Zum Schluß faßt die Autorin die empirischen Befunde der Analyse zusammen und entwickelt Vorschläge zu Reformen. (ICE)

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[53-L] Lauth, Hans-Joachim:

Informelle Institutionen politischer Partizipation und ihre demokratietheoretische Bedeutung: Klientelismus, Korruption, Putschdrohung und ziviler Widerstand, in: Hans-Joachim Lauth ; Ulrike Liebert <Hrsg.>: Im Schatten demokratischer Legitimität: informelle Institutionen und politische Partizipation im interkulturellen Demokratievergleich, Opladen: Westdt. Verl. 1999, S. 61-84, ISBN: 3-531-13418-3

INHALT: Der Beitrag geht davon aus, dass insbesondere in den im Verlauf der dritten Demokratisierungswelle begründeten neuen Demokratien informelle Institutionen von großer Bedeutung sind, und begreift diese daher als unabdingbar für die Analyse der Funktionsweise der Demokratie. Unterschieden werden vier Formen des Klientelismus, die in unterschiedlichem Maße als demokratiesperrig bzw. demokratieverträglich gelten können. Weiterhin werden die Phänomene der politischen Korruption sowie der Putschdrohung behandelt, die beide elementar in die Funktionsweise demokratischer Institutionen eingreifen. Als Fazit formuliert der Autor, dass die Beeinträchtigung der Funktionsweise der Demokratie vom Typ und der Intensität informeller Institutionen politischer Partizipation abhängt. Hierbei findet er allerdings deutlich mehr Anhaltspunkte für von informellen Institutionen verursachte Funktionsdefekte als für demokratieförderliche und die Beteiligungschancen erweiternde Wirkungszusammenhänge. (pre)

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[54-L] Laux, Lothar; Schütz, Astrid:

"Wir, die wir gut sind": die Selbstdarstellung von Politikern zwischen Glorifizierung und Glaubwürdigkeit, München: Dt. Taschenbuch Verl. 1996, 223 S., ISBN: 3-423-04682-1

INHALT: Ausgehend von der zunehmenden Personalisierung der Politik widmen sich die Psychologen Laux und Schütz einem ansonsten eher vernachlässigten Aspekt des politischen Alltags: der Selbstdarstellung von Politikern. Grundsätzlich bewege sich diese 'im Spannungsfeld von Glorifizierung (ideale, vorteilhafte Eindrücke anstreben) und Glaubwürdigkeit (glaubhafte, plausible, überzeugende Eindrücke anstreben)' (39). Politikern stünden innerhalb dieses Spannungsfeldes zwei Strategien zur Verfügung: Assertive Selbstdarstellung, die auf die Vermittlung vorteilhafter Eindrücke aus ist und defensive Selbstdarstellung, die auf die 'Verteidigung oder Wiederherstellung positiver Selbstbilder' (50) abzielt. Als Fallbeispiele werden die Presidential Debates der amerikanischen Wahlkämpfe von 1984, 1988 und 1992 sowie die Barschel-Affäre und der Rücktritt Björn Engholms untersucht. In ihrer Kategorisierung der Selbstdarstellungsstrategien entwickeln die Autoren auch ein Stufenmodell defensiver Selbstdarstellung vom Leugnen eines Ereignisses bis hin zur Bitte um Verzeihung (121). Den Abschluß des Bandes bildet ein Interview mit dem Journalisten Wolfgang Herles zu Themen wie 'Symbolische Politik' oder 'Politiker als Entertainer'. (ZPol, NOMOS)

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[55-F] Lüdtke, Hartmut, Prof.Dr.; Schweitzer, Hartmut, Dr. Priv.Doz. (Bearbeitung):

Machiavellismus und Korruption

INHALT: Ausgehend vom Begriff der Korruption als Tauschbeziehung in einem Dilemma von universalistischen und partikularistischen Erwartungen wird ein Mikromodell korrupten Handelns in Anlehnung an den Rational-Choice-Ansatz entwickelt. In einer experimentellen Befragungssituation wurden Studenten veranlaßt, in der Rolle eines Betriebsleiters eine Personalentscheidung zu fällen. Dabei wurden die Merkmale von Bewerbern und die Struktur der Situation systematisch variiert. Partikularistische Anreize und/oder die Neigung zu Machiavellismus fördern die Korruptionsneigung, eine Wechselwirkung besteht aber nicht. In einer ambivalenten Erwartungssituation setzen sich eher die partikularistischen Orientierungen durch. Die Studie legt eine stärkere Berücksichtigung alltäglicher Vorformen von Korruption und die strukturellen Bedingungen des Übergangs von normalen zu sanktionsfähigen Formen der Korruption in der Forschung nahe. ZEITRAUM: 1991 GEOGRAPHISCHER RAUM: 7 westdeutsche Hochschulorte

METHODE: Rational-Choice-Ansatz der Erklärung von Interaktionseffekten in ambivalenten Situationen. Untersuchungsdesign: (Quasi-)Experiment. DATENGEWINNUNG: Schriftliche Gruppenbefragung (Stichprobe: 639; Studenten an acht westdeutschen Hochschulen; Auswahlverfahren: bewußt) . Primärerhebung: Feldarbeit von Mitarbeitern des Projektes durchgeführt. AUSWERTUNG: Faktorenanalyse; Varianzanalyse; Diskriminanzanalyse; Regressionsanalyse.

VERöFFENTLICHUNGEN: keine Angaben ARBEITSPAPIERE: Lüdtke, H.; Schweitzer, H.: Korruptionsneigung im Kontext von Machiavellismus und sozialer Situation. (Aufsatz im Erscheinen).

ART: Eigenprojekt BEGINN: 199010 ENDE: 199210 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Institution

INSTITUTION: Universität Marburg, FB 03 Gesellschaftswissenschaften und Philosophie, Institut für Soziologie (Wilhelm-Röpke-Str. 6 B, D-35032 Marburg)

KONTAKT: Lüdtke, Hartmut (Prof.Dr. Tel. 06421-284584)

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[56-L] Moser, Helmut:

Skandalogie: Beiträge zu einem neuen Forschungsbereich der Politischen Psychologie, in: PP-Aktuell, Jg. 9/1990, Nr. 1/2, S. 3-13

INHALT: Nach einem historischen Rundblick auf Skandale, in dem deutlich wird, daß der Skandal nicht ausschließlich als Erscheinung moderner Gesellschaften aufzufassen ist, werden auf der Grundlage des Forschungsstandes vor allem in der Bundesrepublik und den Vereinigten Staaten zunächst eine Arbeitsdefinition gegeben und kurzfristige Verarbeitungsmechanismen aufgezeigt. Dabei wird gezeigt, daß Skandale in der Regel systemkonform aufgearbeitet werden und daher keine dauerhafte Wirkung haben - es sei denn systemstabilisierende. Bei der im weiteren verfolgten Frage nach den langfristigen Auswirkungen wird festgehalten, daß wichtige Fragen von der Forschung bislang mühselig ausgespart worden sind. Die bislang verfügbaren Daten entstammen der Überzeugungssystem-Forschung, die auf Einstellungkonzepten fußt und sich quantitativer Befragungsverfahren bedient. Sie beschränken sich im Grund auf die Erfahrungen mit einem, einzigen Skandal, nämlich Watergate, sie konzeptualisieren diese nicht sehr tiefgründig, und sie betrachten einen relativ kurzfristigen Wirkungszeitraum. Die vorsichtige Bilanz am Ende des Beitrags konstatiert einen unbefriedigenden Forschungsstand. Die Methodologie und folglich die empirischen Kenntnisse sind von begrenzter Zuverlässigkeit. Es gibt aber auch keine überzeugende theoretische Erfassung von Skandalen. Arbeiten, die sich der systematischen Verknüpfung von Ursachen und Abläufen, der systematischen Folgenabschätzung widmen, sind kaum erschienen. (RW)

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[57-L] Neckel, Sighard:

Die Wirkungen politischer Skandale, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 1990, B 7, S. 3-10 (Standort: UuStB Köln(38)-Ztg00926-a; Kopie über Literaturdienst erhältlich)

INHALT: "Die Häufung politischer Skandale in den achtziger Jahren wirft die Frage nach ihren Wirkungen auf. Will man allerdings die Folgen politischer Skandale für das Institutionensystem und die Gesellschaft abschätzen, muß man zunächst die Ursachen von Skandalen in der Politik näher bestimmen. Der Beitrag schlägt vor, politische Skandale als öffentlich ausgetragene Konflikt um die Geltung von Normen zu verstehen. Als solche bedürfen Skandale gesellschaftlicher Voraussetzungen, von denen die drei wesentlichen genannt werden: Normbindung politischen Handelns, Machtkonferenz, Öffentlichkeit. Nach einer Darstellung dessen, was in der Politik demokratischer Gesellschaften typischerweise als Normverletzung und damit als potentiell skandalträchtig gelten kann, werden Gründe für die Zunahme politischer Skandale im letzten Jahrzehnt der Bundesrepublik genannt. Die Skandaldichte der heutigen Politik verdankt sich dem Umstand, daß gleichzeitig der Legitimationsbedarf staatlichen Handelns und die politische Machtkonkurrenz gewachsen sind. In diesem Zusammenhang sind die Wirkungen politischer Skandale dadurch bestimmt, Verstärker schon vorhandener Wandlungsprozesse zu sein. Skandale mobilisierten Werte innerhalb des Politikbereichs, holen politisches Handeln auf den Boden geltender Normen zurück oder bereiten ein neues Wertebewußtsein vor. Als Ausdruck veränderter normativer Erwartungen an die Politik stellen sie die politischen Institutionen unter Druck, den gesellschaftlichen Wandel in sich selbst nachzuvollziehen. Dabei hinkt die institutionelle Skandalverarbeitung der Gesellschaft hinterher. Skandale können daher auch als Krisenphänomene alter Legitimationsmuster, als Signale politischer Umbrüche verstanden werden." (Autorenreferat)

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[58-L] Nedelmann, Birgitta:

Über die Offensivwirkung des Zuvielwissens: politische Devianz, in: Hans Oswald <Hrsg.>: Macht und Recht: Festschrift für Heinrich Popitz zum 65. Geburtstag, Opladen: 1990, S. 121-140, ISBN: 3-531-12173-1 (Standort: UuStB Köln=38*-11A8757)

INHALT: Die Autorin nimmt im vorliegenden Aufsatz die politische Korruption in der Bundesrepublik, aber auch andernorts zum Anlaß, um der "Präventivwirkung des Nichtwissens" eine "Offensivwirkung des Zuvielwissens" gegenüberzustellen. Sie orientiert sich dabei an dem von Heinrich Popitz entwickelten rollenanalytischen Instrumentarium und stellt politische Devianz als Dreiecksverhältnis zwischen Normadressaten, Normsender und Sanktionsinstanzen dar. Für die weitere Forschung erscheinen ihr folgende Hypothesen über die Devianz von Berufspolitikern bedeutsam: 1. Die Rollenambivalenz des Politikers; 2. Die normative Normlosigkeit der Rolle des Politikers; 3. Die Hyperaktivität von Normsendern und Sanktionsinstanzen. Diese werden im Beitrag näher erläutert. (psz)

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[59-F] Nentwich, Andreas, Mag. (Bearbeitung); Scheuch, Fritz, Univ.Prof.Dr. (Betreuung):

Skandal-Management.

INHALT: Erarbeitung von marktpolitischen Strategien zur Bewältigung eines Skandals; Erstellung einer Skandaltypologie; Versuch, Skandale zu messen.

METHODE: Expertengespräch, entscheidungstheoretischer Ansatz.. DATENGEWINNUNG: Expertengespräch (Auswahlverfahren: willkürlich). Aktenanalyse.

ART: Dissertation BEGINN: 198612 ENDE: 198806 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Institution

INSTITUTION: Wirtschaftsuniversität Wien, Institut für Absatzwirtschaft (Augasse 2-6, A-1090 Wien)

KONTAKT: Autor (340525-964)

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[60-F] Nett, Jachen C. (Leitung):

Organisierte Kriminalität, Korruption und klandestine Netzwerke in norm- und organisationstheoretischer Perspektive

INHALT: Auf der theoretischen Grundlage der demnächst in die Abschlussphase eintretenden Dissertation über "Formalität und Informalität als Prinzipien normativer Ordnung" sollen die Bedingungen, Mechanismen und Besonderheiten illegaler und insbesondere krimineller Gruppenaktivitäten unter dem Aspekt ihrer Einbettung in unterschiedliche sozio-kulturelle Milieus analysiert werden. Der theoretische Bezugsrahmen verbindet rechtssoziologische und sozialanthropologische Ansätze mit den aus der ökonomischen Theorie der Politik stammenden Theorien über Normentstehung und kollektives Handeln. Ziel des Projekts ist die Schaffung eines analytischen Instrumentariums und die Erarbeitung von Bewertungskriterien zur Einschätzung des "kriminellen Potentials" konkreter in der Illegalität operierender Gruppierungen. Das "kriminelle Potential" ist nicht nur abhängig von den Verfügungschancen über bestimmte Ressourcen technologischer oder materieller Art, sondern auch von den Verfügungschancen über "soziales Kapital" (Bourdieu, Coleman, Flap u.a.). Eine der Grundfragestellungen befasst sich folglich mit dem Stellenwert und der Bedeutung der letztgenannte Verfügungschancen für die Fähigkeit zu organisiertem Handeln in der illegalen Sphäre. (Zwischen)ergebnisse: Der Begriff der "ethnischen Kriminalität" soll im Unterschied zur sogenannten "Ausländerkriminalität" als analytische Kategorie einen spezifisch qualitativen Typus aus der allgemeinen Kriminalität hervorheben. Kennzeichnend für diesen Typus der Kriminalität ist der Sachverhalt, dass die kriminelle Aktivität spezifische Charakteristika aufweist, die durch "ethnische Zugehörigkeit" bedingt sind. Dies bedeutet, dass eine kriminelle Handlung nur dann das Prädikat "ethnisch" erhält sofern sie nachweislich unter Ausnutzung der besonderen, für die ethnische Gruppe gegebenen Bedingungen zustande kommt oder durch eben diese ursächlich zu erklären ist. Es wird in idealtypischer Weise unterschieden zwischen kulturell, politisch und wirtschaftlich motivierter ethnischer Kriminalität. Der Aufsatz befasst sich ausschliesslich mit dem Typus der ökonomisch motivierten ethnischen Kriminalität. Es wird davon ausgegangen, dass grundsätzlich dieselben Wirkungszusammenhänge, die in verschiedenen Studien über "ethnisches Unternehmertum" in der legalen Wirtschaft: nachweisbar sind, auch für den Bereich illegaler bzw. krimineller Wirtschaftsaktivitäten Geltung haben. Bei einer Analyse dieser Wirkungszusammenhänge gelangt man zu der These, dass gewisse Bedingungen welche ethnisches Unternehmertum in der legalen Wirtschaft begünstigen auch geeignete Voraussetzungen bereitstellen für kriminelle Kooperation und damit insbesondere für das Phänomen der Organisierten Kriminalität.

METHODE: Bearbeitung vorhandener Daten/ Dokumente für Sekundäranalyse (Primärquellen entsprechend Verfügbarkeit).

VERöFFENTLICHUNGEN: Nett, Jachen C.: Soziologische Aspekte ethnischer Kriminalität. In: Das Fremde in der Gesellschaft: Migration, Ethnizität und Staat, H.-R. Wicker, J.-L. Alber, C. Bolzmann et al., Seismo Verlag, Zürich, 1996. ARBEITSPAPIERE: Nett, Jachen C.: Soziologische Aspekte ethnischer Kriminalität, gehalten anlässlich der Tagung "Das Fremde in der Gesellschaft: Migration und Ethnizität". Organisiert durch die Schweizerische Ethnologische Gesellschaft - SEG und die Schweizerische Gesellschaft für Soziologie - SGS, Bern, 22.-23. Oktober, 1993.

ART: Eigenprojekt AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe

INSTITUTION: Universität Basel, Philosophisch-Historische Fakultät, Soziologisches Seminar (Petersgraben 27, CH-4051 Basel)

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[61-L] Papcke, Sven:

Skandale oder: Die Entzauberung der Politik, in: Vorgänge, Jg. 33/1994, H. 4, S. 46-56 (Standort: UuStB Köln(38)-XG2258; Kopie über Literaturdienst erhältlich)

INHALT: "Vorteilsnahme" oder ähnliche Fehltritte von Vertrauens- oder Amtsträgern hat es gegeben und wird es immer geben. Der vorliegende Beitrag zeigt, daß von Skandal im modernen Sinne erst dann gesprochen werden kann, wo öffentlich entschieden wird. Der Alltag der politischen Maßnahmen muß Alternativen und Spielräume kennen, sonst gäbe es kein Fehlverhalten, höchstens Kunstfehler der Experten für Politikverwaltung. Das fordert die Teilhabe oder wenigstens Anteilnahme der Regierten an den öffentlichen Angelegenheiten ebenso wie einen Markt der Meinungen. Somit gibt es Skandale als Korrektiv nur in Demokratien, weil nur bei deren ungehinderter Meinungsäußerung die Verfehlungen der Obrigkeit ans Licht der Öffentlichkeit treten (dürfen/können/müssen). Der Autor schließt sein Essay mit dem Diktum: "Skandalkunde tut also not. Sie wäre - mit Nietzsche gesprochen - eine 'fröhliche Wissenschaft' zum Demokratieschutz." (pmb)

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[62-L] Preiser, Siegfried:

Massenmedien, Menschenbilder, Machtverächter: Skandalverarbeitung im Spannungsfeld politischer Erfahrungen, Werte und Einstellungen, in: PP-Aktuell, Jg. 9/1990, Nr. 1/2, S. 15-22

INHALT: Der Beitrag entwickelt einige Thesen über die Skandalverarbeitung in der Öffentlichkeit, die auf einer Durchsicht und Analyse empirischer Forschungsergebnisse beruhen. Die in der Literatur berichteten Befunde zeigen bei einer ersten Durchsicht, was man eigentlich schon immer geahnt hat: Menschen unterscheiden sich bei der Verarbeitung von Skandalen ganz erheblich hinsichtlich ihrer - Wahrnehmungen, - Beurteilungen, - Bewertungen und - Handlungskonsequenzen. Verantwortlich für diese Unterschiede dürften unter anderem persönliche Erwartungen, Einstellungen, Wertmaßstäbe, Handlungstendenzen, handlungs(be)gleitende Kognitionen und Menschenbilder sein. Bei der Verarbeitung politischer Skandale finden sich ganz normale menschliche Reaktionen, wie sie auch aus anderen psychologischen Forschungsfeldern bekannt sind. Der Autor kommt zu dem Ergebnis: Skandale beinhalten eine Störung des persönlichen Wertsystems. Sie zeigen aber auch, daß Werte noch vorhanden sind. (RW)

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[63-F] Ricks, Sven, Dipl.-Volksw. (Bearbeitung); Krüsselberg, Hans-Günter, Prof.Dr. (Betreu-ung):

Ökonomische Theorie der Wirtschaftskriminalität - Korruption und Bestechung

INHALT: keine Angaben GEOGRAPHISCHER RAUM: Deutschland (evtl. EG)

ART: Dissertation BEGINN: 199008 ENDE: 199312 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Institution

INSTITUTION: Universität Marburg, FB 02 Wirtschaftswissenschaften, Fachgebiet Wirtschaftspolitik Abt. Allg. VWL (Am Plan 1, D-35032 Marburg)

KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 06421-283926 d., 06451-24351 p.)

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[64-L] Scheuch, Erwin K.; Scheuch, Ute:

Cliquen, Klüngel und Karrieren: über den Verfall der politischen Parteien - eine Studie, (rororo aktuell), Reinbek: Rowohlt-Taschenbuch Verl. 1992, 183 S., ISBN: 3-499-12599-4

INHALT: "Mit diesem Band legt rororo aktuell die Langfassung einer Studie vor, die zunächst innerhalb der CDU und inzwischen über alle Parteien hinaus kontrovers diskutiert wird. Die Kölner Soziologen Erwin K. und Ute Scheuch hatten sich im Auftrag der Wirtschaftsvereinigung der CDU Nordrhein-Westfalen darangemacht, den gegenwärtigen Zustand des westdeutschen Parteiensystems und die Qualität seiner Politiker zu analysieren. Das Ergebnis veranlaßte die CDU-Vereinigung, die Verbreitung des 30-Seiten-Textes schnell wieder zu stoppen. In dieser Studie erfährt man Näheres darüber, woher die vielfach beklagte Parteienverdrossenheit kommt. In der Bundesrepublik hat sich auf allen Ebenen ein neuer Typus von Politikern herausgebildet: der Berufspolitiker. Er macht Karriere, ohne sich durch nennenswerte Erfahrungen in einem Beruf praktische Fachkenntnisse angeeignet zu haben. Er ist in seinem Selbstverständnis vielseitig einsetzbar und profiliert sich, indem er Politik als Medienereignis inszeniert. Er gehört einer politischen Klasse an, die sich strukturell weitgehend von der übrigen Bevölkerung abgeschottet hat. Getragen und gefördert wird seine Karriere durch Cliquen- und Kartellbildung, seine Existenz ist von Seilschaften und Gefälligkeiten abhängig... Wie dieses System aussieht, wird am Beispiel der Stadt Köln ausführlich dargestellt. Von der Verwaltung über die Kultur bis zu den städtischen Gesellschaften werden alle öffentlichen Bereiche parteipolitisiert." (Autorenreferat)

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[65-L] Scheuch, Erwin K.; Scheuch, Ute:

Mißvergnügen als Einflußfaktor in der Politik heute, in: Harald Müller (Hrsg.): Hoffnung und Verantwortung in unserer Zeit: Festschrift für Lothar Bossle zum 65. Geburtstag, Paderborn: Bonifatius Verl. 1994, S. 247-258, ISBN: 3-87088-839-3 (Standort: UuStB Köln(38)-19A5481)

INHALT: Zunächst verdeutlicht der Verfasser, daß die Politikverdrossenheit mit aktuellen Zuständen in der Politik kein bloßes Medienereignis, sondern ein real existierendes Phänomen darstellt. Anschließend wird erläutert, worauf diese Politikverdrossenheit zurückzuführen ist. Hier geht es um das finanzielle Fehlverhalten von Politikern, die Ämterpatronage, die mangelnde Lösungs- und Sachkompetenz der Politiker und um wunderliche Personalentscheidungen. Im folgenden wird nach den Gründen für diese weitgehende Ablösung der Politiker von der öffentlichen Meinung und den Wählern gefragt. Die Ursache dieser Entwicklung sieht der Verfasser in der Entwicklung des Berufspolitikers und im selbstreferentiellen Charakter unseres politischen Systems. "Die Berufspolitiker entwickeln ein Selbstverständnis als neue, selbsternannte Adels-Kaste, die von der Bevölkerung Folgsamkeit einfordert." (ICE)

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[66-L] Schütz, Astrid:

Leugnen, Umdeuten, Verantwortung ablehnen und andere denfensive Taktiken in politischen Skandalen, in: PP-Aktuell, Jg. 9/1990, Nr. 1/2, S. 35-54

INHALT: In dem Artikel wird auf der Basis von Theorien der Selbstdarstellung ein Stufenmodell defensiver Selbstdarstellungstaktiken entwickelt. Exemplarisch wird dieses an einem Skandal der jüngeren Vergangenheit, der Affäre um die schleswig-holsteinische CDU, analysiert. Aussagen des damaligen Ministerpräsidenten Uwe Barschel, der im Herbst 1987 im Mittelpunkt schwerer Vorwürfe stand, werden als Formen defensiver Selbstdarstellung interpretiert. Mit der Analyse der Reaktionen einzelner Personen soll allerdings nicht einer Individualisierung oder Personalisierung politischer Skandale Vorschub geleistet werden, bei der ein solches Ereignis einer einzigen Person zugeschrieben wird, so daß die Analyse der politischen Strukturen, in denen dieses Verhalten möglich war, unterbleibt. Vielmehr sind die Exponenten politischer Skandale in gewisser Weise austauschbar und können, statt als Täter, auch als Opfer unserer politischen Kultur verstanden werden. Im ersten Hauptteil entwickelt der Autor auf der Grundlage der dramaturgischen Theorie der sozialen Interaktion (Goffman) ein Stufenmodell defensiver Selbstdarstellung, das er dann im zweiten Hauptteil auf die Barschel-Affäre anwendet. Dabei kommt der Autor zu dem Ergebnis, daß das Verhalten Barschels nicht als typischer Fall defensiver Selbstdarstellung im Verlauf einer Affäre angesehen werden kann. Es ist wohl eher ein Extremfall. (RW)

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[67-L] Schütz, Astrid:

Mehr oder weniger zugeben: Stufen defensiver Selbstdarstellung, in: hrsg. v. Heinz-Ulrich Kohr, Massimo Martini u. Angelika Kohr: Macht und Bewußtsein: europäische Beiträge zur Politischen Psychologie, Weinheim: Dt. Studien Verl. 1990, S. 131-141, ISBN: 3-89271-266-2

INHALT: "Als Reaktion der Beschuldigten in politischen Skandalen hören wir immer wieder Ausreden, Rechtfertigungen oder Beschwichtigungen. Diese Äußerungen können als Taktiken defensiver Selbstdarstellung verstanden werden. Ihr Einsatz dient dem Abwehren von Bedrohungen des öffentlichen Ansehens der Beschuldigten und damit dem Machterhalt. In diesem Artikel werden Taktiken defensiver Selbstdarstellung systematisiert. Sie werden in eine Rangreihe gebracht, je nachdem wieviel Zugeständnisse im Hinblick darauf enthalten sind, ob ein negatives Ereignis stattgefunden hat und ob der Beschuldigte dafür verantwortlich zu machen ist. So ergeben sich fünf Stufen defensiver Selbstdarstellung: 'Leugnen', 'Umdeuten', 'Verantwortung ablehnen', 'Schuld ablehnen' und 'negative Implikationen minimieren'. Das Modell wird an einem politischen Skandal illustriert: der Affäre um den ehemaligen Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins, Uwe Barschel. Reaktionen Uwe Barschels auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe werden im Rahmen des Modells interpretiert." (Autorenreferat)

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[68-L] Schwarz, Norbert; Bless, Herbert:

Scandals and the public's trust in politicians: assimilation and contrast effects, (ZUMA-Arbeitsbericht, Nr. 91/09), Mannheim: 1991, 17 S. (Standort: UuStB Köln(38)-910106772; Graue Literatur)

INHALT: Der Arbeitsbericht geht auf die Auswirkungen des Barschel-Skandals ein. Die Befragten der Studie wurden aufgefordert, sich die Namen von Politikern ins Gedächtnis zu rufen. Anschließend beurteilten sie die Vertrauenswürdigkeit von Politikern im allgemeinen sowie von ausgewählten Beispielen. Dies ergab eine Vertrauensabnahme gegenüber Politikern allgemein, jedoch Vertrauenszuwachs gegenüber bestimmten Politikern. Analysiert werden Assimilierungs- und Widerspruchseffekte innerhalb eines Modells der menschlichen Informationsverarbeitung, demzufolge jede Botschaft zunächst eine grundsätzliche Kategorisierung durchläuft und je nach bereits vorliegender Begriffsbildung bewertet wird. (psz)

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[69-L] Zintz, Karin; Roennefahrt, Silke:

Der politische Skandal im Spannungsfeld zwischen Inszenierung und Kontrolle: zur "Skandalogie" am Beispiel der Kieler Affäre, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, Jg. 21/1990, H. 4, S. 600-609 (Standort: UuStB Köln(38)-XF148; Kopie über Literaturdienst erhältlich)

INHALT: Der Aufsatz basiert auf der Diplomarbeit der Erstautorin und gibt einen Überblick über den bisherigen Forschungsstand der "Skandalogie". Am Beispiel der "Barschel/ Pfeiffer-" bzw. "Kieler Affäre" werden einige theoretische Positionen verdeutlicht. Der Beitrag zeigt, wie die Funktionen des politischen Skandals grundsätzlich zwischen Kontrolle und Verschleierung politischer "Normverletzung" oszillieren. Die Gruppen der Beteiligten werden als "Trias der Akteure" charakterisiert: Die Skandalierten, die Skandalierer und das Publikum. (psz)


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