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Vorwort

Zehn Jahre nach der politischen Wende in Europa ist die Osterweiterung der Europäischen Union auf dem praktischen Weg zur Verwirklichung. Konkrete Verhandlungen zum Beitritt werden seit einigen Monaten mit fünf Ländern in Ostmittel- und Südosteuropa geführt. Die sozialwissenschaftliche Forschung im deutschen Sprachraum hat diese Entwicklung nicht nur begleitet, sondern sie hat in ihren Analysen Hintergrundsmaterial aufbereitet, auf Problemfelder hingewiesen und Erfordernisse formuliert. Da in den Zeiten des "Eisernen Vorhangs" Kenntnisse über diese Länder nur anhand öffentlich verfügbarer Quellen erarbeitet werden konnten (in der Regel Printmedien), bestand ein erheblicher Nachholbedarf an empirischer Forschung in den Ländern und an konkreter Zusammenarbeit mit dortigen Wissenschaftlern.

Die hier dokumentierten Materialien spiegeln den Forschungsprozeß der letzten vier Jahre. Eine Reihe von Forschungsprojekten wird und wurde gemeinsam von Wissenschaftlern aus Deutschland und Österreich zusammen mit Kollegen aus den Beitrittsländern bearbeitet. Viele der Sammelwerke wurden kooperativ von Autoren aus verschiedenen Ländern herausgegeben, die Einzelbeiträge stammen von Verfassern unterschiedlicher geographischer Herkunft. Insofern handelt es sich bei den hier vorgestellten Nachweisen nicht ausschließlich um die Präsentation von Forschung aus dem deutschen Sprachraum, sondern es sind Autoren aus vielen Ländern vertreten, sofern ihre Beiträge in Zeitschriften oder anderen Publikationen im deutschen Sprachraum veröffentlicht wurden. Alle Projekthinweise und Literaturnachweise stammen aus den Datenbanken FORIS (Forschungsinformationssystem Sozialwissenschaften) und SOLIS (Sozialwissenschaftliches Literaturinformationssystem) des Informationszentrums Sozialwissenschaften.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den osteuropäischen Ländern und hier insbesondere mit den EU-Beitrittskandidaten hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Dies spiegelt sich entsprechend in den Datenbanken FORIS und SOLIS: Beschäftigten sich zwischen 1987 und 1990 ca. 500 Veröffentlichungen mit mindestens einem Beitrittskandidaten, so waren es zwischen 1995 und 1998 bereits knapp 800; noch stärker fällt der Zuwachs im Bereich der Forschungsprojekte aus: Für 1987 bis 1990 sind 124 Projekte dokumentiert, für 1995 bis 1998 sind es 340.[1]

Angesichts dieser Zahlen konnten im Rahmen des vorliegenden FOKUS nicht alle Arbeiten abgebildet werden, die sich in den Jahren 1995-1998 unter sozialwissenschaftlichen Gesichtspunkten mit den fünf Beitrittskandidaten befaßten. Ausgewählt wurden daher die Untersuchungen, die direkt den EU-Beitritt thematisieren bzw. die sich mit der Frage von Voraussetzungen und Folgen der (West-) Europäisierung auf sozialer, politischer und kultureller Ebene in den Beitrittsländern auseinandersetzen. Hierzu zählen auch Arbeiten, die Identitätsfragen und Bevölkerungseinstellungen im Kontext dieser Europäisierung untersuchen.

Nicht aufgenommen wurden sowohl Arbeiten mit historischem Ansatz, die abgeschlossene Zeiträume erforschen, als auch solche, die sich spezifischen Fragestellungen auf der Mikroebene widmen. Hierunter fallen ebenso international vergleichende Arbeiten, bei denen einer der Beitrittskandidaten in die Untersuchung einbezogen, jedoch der Bezug Europa nicht explizit gegeben ist. Abhandlungen zur NATO-Osterweiterung wurden ebenfalls ausgeschlossen. Insgesamt enthält dieser FOKUS 192 Hinweise, 114 zur Literatur, 78 zu Forschungsprojekten.

Um die Übersichtlichkeit für den Leser zu erhöhen, wurde der Band in Länderkapitel eingeteilt, denen zwei besondere Kapitel vorangestellt sind. Im ersten Kapitel werden solche Arbeiten vorgestellt, die sich mit mehreren der Beitrittskandidaten befassen bzw. mit dem Aspekt der Auswirkungen ihres Beitritts auf die bisherigen EU-Länder, hier insbesondere auf die Bundesrepublik Deutschland. Das zweite Kapitel enthält Beiträge, die sich auf konkrete Grenzregionen beziehen und in der Regel als Fallbeispiele mit starkem Praxisbezug verstanden werden können. Dann folgen die Länderkapitel nach der Größe der Bevölkerung geordnet, also Polen, Tschechien, Ungarn, Slowenien und Estland. Innerhalb der Kapitel sind die Angaben zu Forschungsvorhaben und zur Literatur gemischt, nach Autoren alphabetisch geordnet. Autoren-, Sach- und Institutionenregister eröffnen gezielte Zugriffsmöglichkeiten.

Mai 1999

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Hinweis

Quelle der in diesem Band enthaltenen Informationen sind die IZ-Datenbanken SOLIS (Sozialwissenschaftliches Literaturinformationssystem) und FORIS (Forschungsinformationssystem Sozialwissenschaften).

Die Datenbank SOLIS stützt sich vorwiegend auf deutschsprachige Veröffentlichungen, d.h. Zeitschriftenaufsätze, Monographien, Beiträge in Sammelwerken sowie auf Graue Literatur in den zentralen sozialwissenschaftlichen Disziplinen. Wesentliche Quellen zur Informationsgewinnung für FORIS sind Erhebungen in den deutschsprachigen Ländern bei Institutionen, die sozialwissenschaftliche Forschung betreiben. Der Fragebogen zur Meldung neuer Projekte steht permanent im Internet unter http://www.bonn.iz-soz.de zur Verfügung.

Literaturhinweise sind durch ein "-L" nach der laufenden Nummer gekennzeichnet, Forschungsnachweise durch ein "-F".


[1] Diese Zahlen bieten nur einen ungefähren Hinweis. Eine Vergleichbarkeit der Meldungen über längere Zeiträume ist schwierig, weil sich z.B. die politischen Grenzen verändert haben. So wurden in die Zahlen nicht nur Arbeiten, die Tschechien betreffen, sondern auch die gesamte Tschechoslowakei und die heutige Slowakei aufgenommen. Angaben für Slowenien und Estland konnten erst ab 1992 Eingang in die Datenbank finden (nach den Staatsgründungen).


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