Statement anlässlich der Ausstellung
'NACKT' von Kulturfeld in der Städt. Galerie Wesseling, 2001

 

Eine Schaltafel, ein alltägliches Baumaterial, besteht aus grobem Kiefernholz. Das Holz hat hier einen Teil seiner Ursprünglichkeit bewahrt und liegt mit seiner rohen Struktur offen vor uns. Die sparsame Klammerung der einzelnen Latten an den Längsseiten zu 150x50 cm Platten verstärkt den Eindruck, dass es sich um Holz der Ausführung 'Natur' handelt. Die zufällige und doch regelmäßige Maserung kann als Spiegelung des Körpers, ja der ganzen Natur des Menschen gesehen werden. Sie ist funktional und gleichzeitig von vielfältigen Einflüssen geprägt. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich darüber hinaus eine endgültige Schönheit mit gleichzeitiger Individualität.

Der Schnitt eines nackten Körpers in eine solche große, derbe Schaltafel ist mehr als nur ein Foto oder eine Skizze desselben. Er selbst projiziert sich auf das flache, etwas zu kleine Holzbrett, passt sich an dieses an und muss eine geeignete Positionsmöglichkeit und den treffenden Ausschnitt suchen. Auch die Abhängigkeit des Holzschneiders ist groß, da er den Blickwinkel oder die Größe nicht ändern kann und den Menschen so nehmen muss, wie er sich in die Schaltafel einfügt. Dies verstärkt sich noch dadurch, dass beim Schnitzprozess die einzuritzende Form und die Maserung des Holzes mal miteinander, mal gegeneinander arbeiten. Jeder Schaltafel-Schnitt und auch jeder Abzug, der von Hand gefertigt werden muss, beinhalten starke körperliche Arbeit über viele Stunden. Da die Konturen unmittelbar auf dem Holz abgetragen werden, gibt es keine Beschönigung. Das Modell bleibt so wie es ist und sein möchte. Kleidung würde nur stören und der Abbildung des Menschen auf das Holz entgegenwirken. Entgegen der Korrigierbarkeit des Striches ist die Einkerbung in das Holz endgültig. Der anscheinend flüchtige Moment wird in seinen Konturen herausgeschält und dauerhaft. Versehen oder Belanglosigkeit sind nicht vorgesehen.

Nicht zufällig stellt sich die Frage, welche dargestellte Seite eigentlich die richtige ist: die dem Künstler, bzw. Betrachter zugewandte Seite oder die auf das Brett gedrückte. Das Abdruckverfahren spricht für die dem Brett zugewandte Seite, die Sicht des Künstlers für die Kehrseite. Sollte er vielleicht besser mit geschlossenen Augen die Umrisse des Körpers umfahren? Das nun auch wieder nicht! Da 'Vorder'- und 'Rück'-Seite ihre Berechtigung und Existenz haben, werden darum hier auch beide dargestellt. Es steht also im Belieben des Betrachters, den Entscheid für die jeweils passendere, bessere, richtigere Seite zu fällen. Sind es nicht zwei Seiten, die unzertrennlich zusammengehören und nur in der Gemeinsamkeit von Wahrhaftigkeit zeugen? 

 

(Musik: Millennium Song von Michael Greenacre

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