Statement anlässlich des Aktzeichens als ästhetisch-reflexiver Prozess

Das Aktzeichnen ist beim figürlichen Zeichen der Normalfall. Wie schon der Name sagt, muss es sich nicht unbedingt um eine ruhende Pose des Modells handeln - ist es aber aus Bequemlichkeit meistens. Im Englischen und Französischen heißt es eigentlich treffender 'Nude' und 'Nu'. Die Deutschen hatten wohl Probleme, es so klar ausdrücken. Was immer wir anhaben mögen, es ist nur Verkleidung der darunter liegenden Figur, die beim Aktzeichen am reinsten hervorkommt. Nach einiger Übung - uns fehlt ja in der Regel die Möglichkeit in Ruhe nackte Körper studieren zu können - wird man feststellen, dass ein glatter, nackter Körper leichter zu zeichnen ist als ein komplizierter Faltenwurf oder ein aufwendiges Zierrat. Entsprechend gehört Aktzeichen zum Grundstudium eines angehenden Künstlers.

Beim Aktzeichen gibt es eine vorgegebene Rollenverteilung: Der Akt ist in der exhibitionistischen Rolle: er versucht zu gefallen, sein Können und seine Eigenheiten zur Geltung zu bringen und sich auszudrücken. Die Zeichner sind in der voyeuristischen Rolle: distanziert versuchen sie alles Wesentliche zu ergründen und festzuhalten ohne das Dargebotene zu beeinflussen. In dieses Schema passt auch, dass das Modell oft weiblich ist und die Zeichner früher meist männlich waren. Heute sind es in der Mehrzahl dagegen meist Zeichnerinnen, wie überhaupt die Kunst als Hobby oder als Ausbildungsgang eine weibliche Domäne zu sein scheint, als Beruf dagegen durchaus nach wie vor von Männern dominiert scheint. Dem selben Schema entspricht, dass die Zeichner meist nicht nackt sind, geschweige auch noch ein bekleidetes Modell dazu hätten. Zwingend ist dies alles dagegen nicht. Nach einiger Zeit wird man bemerken, dass das Modell durchaus die Zeichner genauestens beobachtet und auf sie reagiert und eine unsichtbare Schutzwand um sich zieht, wogegen die Zeichner mit ihrem Können imponieren wollen und schließlich mehr von sich offen legen, als ihnen bewusst wird. In dieser Erkenntnis liegt der tiefere therapeutische Wert des Aktzeichens, weshalb es geeignet ist, Vorurteile bezüglich Nacktheit abzubauen und gegenseitige Achtung unabhängig vom vordergründig Äußeren zu fördern .

(Musik: Millennium Song von Michael Greenacre

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